Längst nicht überall müssen Adrian und Claudia Todasca in mühevoller Kleinarbeit Lärchen und benachbart Buchen pflanzen, wie sie es noch am Vormittag an einem Hang bei Mauden getan hatten (siehe „Damit auch Henry noch Wald haben wird“). Denn etwa die Hälfte der zwei Hektar großen Fläche eines dort gelegenen Haubergswaldes, auf der sie arbeiten, ist bereits bestockt – durch Naturverjüngung! Es wachsen von der Natur ausgesäte Eichen, Fichten, Birken, Vogelkirschen, Lärchen und einige Ahornbäume. „Das sind Flächen, die man nicht aufforsten muss und wo man den Baum praktisch geschenkt bekommt. Das sind Bäume, die man forstwirtschaftlich nutzbar machen kann durch Kulturpflege“, erklärt Firmenchef Alexander Pfau.
Diesen „Geschenken“ soll eine gute Perspektive ermöglicht werden, damit sie als Zukunftsbäume den – in Zeiten des Klimawandels widerstandsfähigeren, so die Hoffnung – natürlichen Mischwald von morgen bilden werden. Dazu sind die Pfau-Mitarbeiter Adrian und Claudia Todasca nun mit Freischneidern unterwegs, um Kulturpflegemaßnahmen durchzuführen.
„Hier steht eine kleine Fichte unmittelbar neben einer Lärche“, deutet Alexander Pfau beispielhaft auf zwei der von allein gewachsenen Bäume. „Beides sind Nutzbaumarten, die man haben möchte. Aber da ist es nun die Aufgabe von Adrian und Claudia, festzulegen, welcher Baum hier gefördert wird. Denn die Bäume stehen zu nah, einer von beiden muss weg. Es sind beides wertvolle Bäume. Mal sehen, wie Adrian gleich entscheidet…“
Adrian Todasca erläutert, dass man immer auch das Umfeld und nicht nur den jeweiligen Baum im Blick haben dürfe. Denn selbst Birken blieben zuweilen stehen – etwa Birken, die dem Boden immerhin Schatten spenden, wenn an einer Stelle nichts anderes gedeiht. „Diese Birken lässt man dann erst einmal wachsen“, fügt Alexander Pfau zustimmend an, „bevor die freien Flächen komplett vergrasen, weil gar kein Baum darauf vorhanden ist.“
Befindet sich eine Birke wiederum direkt neben einer Lärche, ist die Sache eindeutig: dann muss die Birke weichen. An wieder anderen Plätzen könne es sein, dass selbst Ginster bleiben darf, ergänzt Adrian Todasca: „Den erhält man nur, wenn es gar nichts anderes gibt. Dann dient der Strauch dazu, dem Boden Schatten zu spenden und Halt zu geben.“
Man merkt: Hier braucht es Beobachtungsgabe, ein sehr gutes Auge, eine Menge Fachwissen um Zusammenhänge im zukünftigen Mischwald und über den Weg dahin. Der eigentliche Einsatz des Freischneiders steht demnach am Ende durchaus komplexer Überlegungen.
Sicherlich ist die Kulturpflege, wie sie die Pfau-Leute versehen, darum nichts für Akkord-Trupps: Die Leute, die hier im Wald tätig sind, müssen wirklich wissen, was sie tun!
Und so arbeiten sich Claudia und Adrian Todasca Schritt für Schritt über die naturverjüngte Fläche an dem Hang. Immer wieder bleiben sie einen Moment lang stehen und betrachten erst die – zum Teil noch recht kleinen, leicht zu übersehenden – Pflanzen zu ihren Füßen, bevor sie die Kreissägeblätter an ihren „Stihl“-Freischneidern wieder auf Touren bringen.
Adrian stammt aus Vatra Dornei im Nordosten Rumäniens und hat im nicht allzu weit entfernten Câmpulung Moldovenesc fünf Jahre lang an der Forstwirtschaftlichen Hochschule „Bucovina“ Forstwirtschaft studiert. Die dort erworbenen Kenntnisse bringt er nun für den Zukunftswald im Westerwald ein.
Der Pfau-Fachmann macht zwei Schritte nach vorne: er hat eine höchstens unterarmlange, junge Eiche entdeckt. Sie ist nicht ganz leicht zu sehen, ist umringt von viele Male größeren Vogelkirschen. Gräser überwuchern den Jungbaum, ein kleiner Ginster links neben ihm überragt die Eiche ebenfalls bereits. So geschickt wie zügig verschafft der Forstwirt der Eiche Platz zum Wachsen.
Wer weiß: Vielleicht werden in fünf bis zehn Generationen einige Westerwälder genau an dieser Stelle einmal vor einem kräftigen, wunderschönen Laubbaum stehen und dessen vitalen Wuchs bewundern. Ausreichend Platz und Licht für ihr Wachstum hat die Eiche nach dem Arbeitseinsatz der Todascas auf jeden Fall schon einmal.
Uwe Schmalenbach
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