Aus der Baugrube in den Wald

Markus Köhler ist offenbar jemand, der sich gerne neuen Aufgaben stellt. Einst absolvierte er erfolgreich sowohl die Lehre zum Konditor als auch die zum Koch. Gerade jedoch ist er an einem frühlingshaften Tag unter blauem Himmel beruflich in einem Eichenwald unterwegs und steuert so spielerisch wie präzise einen Kettenbagger durch den Forst, um Rückegassen anzulegen (siehe „Gassen für den Hauberg, Brennholz für daheim“). Das Logo des Kirburger Unternehmens Pfau ist auf dessen Verstellausleger zu sehen. Markus Köhler arbeitete jahrelang am Herd, im Schwäbischen wie dem Siegerland. Doch arbeitgeberseitige Versprechungen wurden nicht eingehalten, verärgert hing er die Schürze irgendwann an den Nagel. Gleichwohl hat er bereits seit Kindheitstagen ebenso Interesse an schweren Baumaschinen, trotz seiner augenscheinlich vorhandenen, eher filigranen Fähigkeiten beim Verzieren von Torten und Ausgarnieren von Tellergerichten. Als dann ein Tiefbauunternehmer in einer Daadener Kneipe vorschlug, Köhler solle doch bei ihm als Baggerfahrer beginnen, wechselte er die Branche. 28 Jahre lang hielt der in Friedewald Lebende der Tiefbaufirma die Treue. Allerdings standen dort eines Tages Veränderungen an. Der Chef wollte altersbedingt verkleinern. Dass der routinierte Baggerfahrer daraufhin womöglich zu einem anderen Arbeitgeber wechseln würde, erfuhr man auch bei Pfau. Von dort, wie von weiteren Unternehmen, bekam Markus Köhler das Angebot, einzusteigen, und da er das seinerzeit noch in Mauden (heute Kirburg) beheimatete Unternehmen schon von gemeinsamen Baustellen kannte und schätzte, wechselte er. Das liegt nun drei Jahre zurück, und wenn man jetzt mit Markus Köhler über sein Berufsleben spricht, so bezeichnet er den Wechsel zu Pfau als ausgesprochen gute Entscheidung.„Ich finde, dass es für mich jetzt noch abwechslungsreicher ist – das ist, was mich reizt, muss ich sagen“, erklärt der Baggerprofi. Es spricht davon, dass er einerseits mit der Raupe einen Maschinenweg im Haubergswald freilegt dann wieder mit dem „Woodcracker“ Bäume entnimmt, aus denen hochwertiges Brennholz wird, und tags darauf vielleicht schon wieder eine Ausschachtung für ein Wohnhausbau vornimmt. „Es ist dabei natürlich ein enormes Vertrauen im Unternehmen vorhanden“, betont Köhler. „Die stellen mir hier alles hin an Maschinen, und ich erledige alles selbständig. Der Alexander (Anm. d. Red.: Köhlers Chef Alexander Pfau) ist nur einmal zum Gucken hier gewesen“, sagt der Westerwälder und meint damit seine mehrtägige, eigenständige Arbeit mit dem Forstbagger in einem Niederwald. Markus Köhler hat neben dem ihm gefallenden  Abwechslungsreichtum einen weiteren Vorteil hinsichtlich des breiten Tätigkeitsspektrums bei Pfau ausgemacht: „Ich finde es gut bei Pfau, dass wir so breit aufgestellt sind – gerade in der heutigen Zeit. Anders als in anderen, reinen Baufirmen, gibt es niemals die Situation, dass gerade nichts zu tun ist“, beschreibt er. „Das finde ich super. Im Baugewerbe ist es derzeit ruhiger als früher. Das kann uns in Anführungsstrichen egal sein, weil wir immer genug andere Arbeit haben! Wenn wir nicht im Tiefbau tätig sind, haben wir Aufgaben im Wald – ob ich jetzt mit dem Traktor mulche, im Wegebau aktiv bin ober bei der Verkehrssicherung an Straßen.“ Natürlich ist für so verschiedene Herausforderungen zugleich eine Vielfalt an Fähigkeiten erforderlich. Markus Köhler muss sich schließlich mit recht unter- schiedlichen Fahrzeugen und Baumaschinen auskennen und mit jeder zentimetergenau arbeiten können. Die Vielfalt in seiner jetzigen Firma gefalle ihm, sagt der Baggerfahrer (rechts). Fotos: Schmalenbach Er hat Spaß an der Arbeit, darum könne er sich auch in wechselnde Aufgaben einarbeiten, betont Markus Köhler. Das „A und O“ beim Arbeiten im Wald sei dabei, „den Bodendruck ständig im Blick zu haben sowie auf die Wurzelstöcke aufzupassen: Wo kann ich mit meiner Kette herfahren?“, deutet Markus Köhler auf die beiden je vier Tonnen schweren Metallstränge, auf denen sich sein „Volvo ECR235EL“ bewegt. Es sei erst ein paar Tage her, dass ihm, zum ersten Mal in seiner jahrzehntelangen beruflichen Laufbahn, an einem extrem regenreichen Tag eine Kette abgesprungen sei. „Ich musste eine Gasse wieder nach oben und darum wegen des Bodendrucks versetzt neben den Spuren fahren. Dann kommst du irgendwann in die Wurzelstöcke. Wenn du den Bagger dann nur ein ganz klein bisschen drehst, dann wirft dir die Eiche die Kette runter – die Eichen sind sehr stabil! Du musst wirklich extrem darauf aufpassen im Wald.“Ebenso sei die Hangneigung und der zuweilen aufgeweichte Boden ein Faktor – anders als im Tiefbau an einer Straße, wo man wunderbar gerade stehe mit dem schweren Gerät: „Auf jeden Fall“, nickt Köhler, „deswegen habe ich immer das Schild am Bagger nach vorne, wenn ich bergab fahre. Kommst du ins Rutschen, lässt du das runter und dann bleibt der Bagger stehen.“ Ohnehin sei es im Wald wichtig, ohne Hektik zu arbeiten, kontrolliert jede Bewegung abzuwägen. „Schon alleine, um keine Pflanzen zu schädigen, die stehenbleiben sollen. “ Aber genau das möge er an der Arbeit im Forst: Man müsse sich noch mehr konzentrieren als sonst bei Baggerarbeiten. „Das spricht mich sehr an. Im Tiefbau hast du normalerweise Platz. Da gibt es andererseits Kriterien, die wiederum hier im Wald keine Rolle spielen. Du musst zum Beispiel auf deine Höhen aufpassen.“ Man erlebt mit Markus Köhler einen super netten Zeitgenossen, der eine große Zufriedenheit ausstrahlt – zufrieden mit dem, was er im beruflichen Alltag tut. Man könnte als Laie glatt vergsssen, dass dabei alles gar nicht so einfach sein dürfte, wie es aussieht: Mit dem „Woodcracker“, der am Bagger montiert ist, kann man zugleich Baumstämme festhalten, abschneiden und außerdem mit einem „Sammler“ dünnere Stämme zusammentragen, ehe man das Holz neben der Rückegasse ablegt. Das dürfte koordinativ recht fordernd sein, zumal ja alle sonstigen Bewegungen der Baumaschine zeitgleich hinzukommen. Man müsse eben ein Interesse an dieser Arbeit haben, an den Maschinen, nickt der Westerwälder, darauf angesprochen. „Mein Lebensmotto ist immer gewesen: Es gibt nichts, das man nicht lernen kann, wenn man Spaß daran hat. Und wenn du Spaß an etwas hast, lernst du es auch.“ Seine Arbeit, sagt Köhler, sei bei seinem heutigen Arbeitgeber noch umfangereicher, als vorher im reinen Tiefbauunternehmen. „Und das ist, was ich bei Pfau mag: diese Vielfalt. Es ist nie monoton, das finde ich schön.“Aus der Konditorei in den Tiefbau, vom Tiefbau in den Wald: Wie hatte Markus Köhler gesagt? Es gibt nichts, das man nicht lernen kann. Wenn man…