Kulturpflege für „geschenkte“ Bäume

Längst nicht überall müssen Adrian und Claudia Todasca in mühevoller Kleinarbeit Lärchen und benachbart Buchen pflanzen, wie sie es noch am Vormittag an einem Hang bei Mauden getan hatten (siehe „Damit auch Henry noch Wald haben wird“). Denn etwa die Hälfte der zwei Hektar großen Fläche eines dort gelegenen Haubergswaldes, auf der sie arbeiten, ist bereits bestockt – durch Naturverjüngung! Es wachsen von der Natur ausgesäte Eichen, Fichten, Birken, Vogelkirschen, Lärchen und einige Ahornbäume. „Das sind Flächen, die man nicht aufforsten muss und wo man den Baum praktisch geschenkt bekommt. Das sind Bäume, die man forstwirtschaftlich nutzbar machen kann durch Kulturpflege“, erklärt Firmenchef Alexander Pfau. An einigen Stellen ist die Naturverjüngung üppig. Diesen „Geschenken“ soll eine gute Perspektive ermöglicht werden, damit sie als Zukunftsbäume den – in Zeiten des Klimawandels  widerstandsfähigeren, so die Hoffnung – natürlichen Mischwald von morgen bilden werden. Dazu sind die Pfau-Mitarbeiter Adrian und Claudia Todasca nun mit Freischneidern unterwegs, um Kulturpflegemaßnahmen durchzuführen. „Hier steht eine kleine Fichte unmittelbar neben einer Lärche“, deutet Alexander Pfau beispielhaft auf zwei der von allein gewachsenen Bäume. „Beides sind Nutzbaumarten, die man haben möchte. Aber da ist es nun die Aufgabe von Adrian und Claudia, festzulegen, welcher Baum hier gefördert wird. Denn die Bäume stehen zu nah, einer von beiden muss weg. Es sind beides wertvolle Bäume. Mal sehen, wie Adrian gleich entscheidet…“ Permanent müssen die Pfau-Leute entscheiden: Was bleibt stehen? Adrian Todasca erläutert, dass man immer auch das Umfeld und nicht nur den jeweiligen Baum im Blick haben dürfe. Denn selbst Birken blieben zuweilen stehen – etwa Birken, die dem Boden immerhin Schatten spenden, wenn an einer Stelle nichts anderes gedeiht. „Diese Birken lässt man dann erst einmal wachsen“, fügt Alexander Pfau zustimmend an, „bevor die freien Flächen komplett vergrasen, weil gar kein Baum darauf vorhanden ist.“ Befindet sich eine Birke wiederum direkt neben einer Lärche, ist die Sache eindeutig: dann muss die Birke weichen. An wieder anderen Plätzen könne es sein, dass selbst Ginster bleiben darf, ergänzt Adrian Todasca: „Den erhält man nur, wenn es gar nichts anderes gibt. Dann dient der Strauch dazu, dem Boden Schatten zu spenden und Halt zu geben.“ Mal „umschlingt“ Birke eine kleine Fichte, dann wieder… …überwuchern Gräser, Ginster und andere Sträucher Nutzbäume. Man merkt: Hier braucht es Beobachtungsgabe, ein sehr gutes Auge, eine Menge Fachwissen um Zusammenhänge im zukünftigen Mischwald und über den Weg dahin. Der eigentliche Einsatz des Freischneiders steht demnach am Ende durchaus komplexer Überlegungen. Sicherlich ist die Kulturpflege, wie sie die Pfau-Leute versehen, darum nichts für Akkord-Trupps: Die Leute, die hier im Wald tätig sind, müssen wirklich wissen, was sie tun! Der Forstwirt hat eine Eiche ausgemacht, die für die Zukunft erhaltenswert erscheint und die er deshalb fördert. Und so arbeiten sich Claudia und Adrian Todasca Schritt für Schritt über die naturverjüngte Fläche an dem Hang. Immer wieder bleiben sie einen Moment lang stehen und betrachten erst die – zum Teil noch recht kleinen, leicht zu übersehenden – Pflanzen zu ihren Füßen, bevor sie die Kreissägeblätter an ihren „Stihl“-Freischneidern wieder auf Touren bringen. Adrian stammt aus Vatra Dornei im Nordosten Rumäniens und hat im nicht allzu weit entfernten Câmpulung Moldovenesc fünf Jahre lang an der Forstwirtschaftlichen Hochschule „Bucovina“ Forstwirtschaft studiert. Die dort erworbenen Kenntnisse bringt er nun für den Zukunftswald im Westerwald ein.   Der Pfau-Fachmann macht zwei Schritte nach vorne: er hat eine höchstens unterarmlange, junge Eiche entdeckt. Sie ist nicht ganz leicht zu sehen, ist umringt von viele Male größeren Vogelkirschen. Gräser überwuchern den Jungbaum, ein kleiner Ginster links neben ihm überragt die Eiche ebenfalls bereits. So geschickt wie zügig verschafft der Forstwirt der Eiche Platz zum Wachsen. Wer weiß: Vielleicht werden in fünf bis zehn Generationen einige Westerwälder genau an dieser Stelle einmal vor einem kräftigen, wunderschönen Laubbaum stehen und dessen vitalen Wuchs bewundern. Ausreichend Platz und Licht für ihr Wachstum hat die Eiche nach dem Arbeitseinsatz der Todascas auf jeden Fall schon einmal. Uwe Schmalenbach Die junge Eiche, nachdem Adrian Todasca sie behutsam freigeschnitten ist. Nicht nur, dass für solche Bäume nicht gekauft werden müssen: Ein weiterer Vorteil der Naturverjüngung ist, dass diese Pflanzen ganz anders im Boden verwurzelt sind als jeder – noch so perfekt – gepflanzte Baum.  HIER mehr erfahren: Pfau-Nachrichten zum Download

Damit auch Henry noch Wald haben wird

„Wir haben Wald vorgefunden, den andere vor uns gepflanzt haben. Und ich möchte den nachfolgenden Generationen auch gerne Wald hinterlassen“, sagt Ulrich Pfau. Mit seinem Enkel Henry baut er an einem Hang nahe des Westerwalddörfchens Mauden Wuchshüllen um kleine Lärchen herum auf. Dieser „Einzelschutz“ aus Gittern und Holzstäben soll vor Wildschäden bewahren. Schutz haben die noch sehr kleinen Pflanzen nötig: Claudia und Adrian Todasca vom unter anderem im Bereich forstlicher Dienstleistungen tätigen Kirburger Unternehmen Pfau, das Ulrich Pfau zusammen mit seinem Sohn Alexander leitet, haben sie erst vor wenigen Minuten gepflanzt. Früher standen auf dieser Fläche Fichten – die, wie fast alle dieser Monokulturen im Westerwald, dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen sind.In Österreich ist die Europäische Lärche vom Kuratorium Wald in Kooperation mit dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft zum „Baum des Jahres 2026“ gekührt worden. In Deutschland war sie das bereits 2012. Beim Pflanzen muss zunächst eine Humusschicht entfernt werden. Es erfordert einige Kraft, an dieser Stellen ein Loch für die jungen Lärchen in den Boden zu bekommen. Der Baum ist eine wirklich bemerkenswerte Art: Forstwirtschaftlich wird die Lärche aufgrund ihres witterungsbeständigen Holzes sehr geschätzt, das sehr viel Harz enthält und sich zudem gut verarbeiten lässt. „Als beständiger Habitatbaum bietet sie Lebensraum und Nahrung für viele Vogelarten“, so das österreichische Fachministerium. 25 bis 45 Meter hoch wachse die Lärche, zuweilen überschreite ihre Länge sogar die 50-Meter-Marke. Die Art kann dabei mehr als 1.000 Jahre alt werden! Die „Containerpflanzen“ bringen Erde, Feuchtigkeit und Dünger mit. Die exakte Tiefe sei ausgesprochen wichtig, erklärt Adrian Todasca, „und ebenso, dass die Wurzeln gerade unter der Pflanze stehen.“ Die jungen Bäumchen, die auf der früheren Fichtenfläche bei Mauden in den Boden gebracht werden, sind allerdings erst bis zu fünf Jahre alt. Adrian und Claudia Todasca müssen ganz schön schuften beim Pflanzen der Lärchen. „Ist nicht so leicht, aber es geht“, zwinkert Adrian, während er einen blauen Pflanzspaten wieder und wieder in den Boden rammt, um ein passendes Loch in den schon nach wenigen Zentimeter felsigen Untergrund zu stemmen. Er dreht das Werkzeug und zieht damit die Erde aus den Pflanzlöchern heraus, in welche die Lärchen mit ihren Ballen genau hineinpassen. Nachdem der Borkenkäfer den früheren Fichtenbestand arg geschädigt hatte, wurde das Käferholz 2021 aus diesem Haubergswald entnommen. Seither sorgt die Naturverjüngung an vielen Stellen von alleine für einen wertvollen Mischwald als Nachfolger (1). An anderen Stellen auf derselben Erhebung wächst nicht viel nach (2). Diese Lücken schließen die Pfau-Mitarbeiter mit passend ausgewählten Baumarten (3). „Diese sogenannten ‚Containerpflanzen‘, die wir hier verwenden, bringen ihre natürliche Umgebung mit, in der sie bisher gewesen sind“, erläutert Ulrich Pfau den Vorteil der – gegenüber wurzelnackten Pflanzen – etwas teureren Gehölze. „Außerdem ist im Ballen ein Dünger enthalten. Diese Lärchen haben zudem direkt Feuchtigkeit zum Anwachsen dabei und so einen guten Start. Es gibt nicht den ‚Wurzelschock‘, wie wenn Pflanzen aus einer Pflanzkultur in fremden Boden kommen.“ Große Teile des Areals – sicherlich gut die Hälfte –, in dem die Pfau-Leute gerade arbeiten, ist durch „Naturverjüngung“ bereits dicht bestockt: Hier wachsen von der Natur ausgesäte Eichen, Fichten, Birken, Vogelkirschen, Lärchen und Ahornbäume. An jenen Stellen jedoch, wo von alleine praktisch nichts sprießt – von ein paar Gräsern, Brombeeren und vor allem Ginster abgesehen – , werden die jungen Bäume gesetzt, jeweils im Abstand von drei Metern zu einander. Doch nicht überall kommt Lärche zum Einsatz, um die Lücken zu schließen, die die Naturverjüngung in diesem Haubergswald gelassen hat. Mit einer Distanz von etwa acht Metern soll sich an den Lärchenbestand später ein Gutteil Buche anschließen. Die Laubbäume profitierten bei ihrem Wachstum dabei von den benachbart stehenden Lärchen, erklärt Adrian Todasca: „Die Lärche wächst schneller als die Buche. So, wie wir sie pflanzen, spendet der Nadelbaum den kleinen Laubbaumpflanzen später etwas Schatten in unseren zusehends heißen Sommern“, schildert der Forstwirt.  Adrian Todasca, Ulrich Pfau und dessen Enkel Henry (von rechts) errichten Wuchshüllen um die jungen Lärchen. Für die spätere Entwicklung der Jungbäume ist bereits die fachkundige Pflanzung wesentlich. Und dann bereitet er ein nächstes Pflanzloch vor, wozu er zunächst eine dicke Humusschicht abtragen muss, die sich auf dem Boden gebildet hat. Wieder gilt es, danach ein Loch in den Untergrund zu bekommen. Das alles dauert eine Weile. Doch andere, zuvor in selber Weise bestockte Flächen zeigen, dass die nicht auf Akkord ausgerichtete, sorgsame Arbeitsweise erheblich bessere Ergebnisse erzielt und der größte Teil der Jungbäume gut anwächst, sich wie erhofft entwickelt. Dazu sei es unter anderem entscheidend, dass die Jungpflanzen in der idealen Tiefe gesetzt werden, betont Adrian Todasca. Ebenso sei ausgesprochen wichtig, dass die Wurzeln senkrecht unter der Pflanze stehen. Knickten sie um, was bei falschem Vorgehen insbesondere bei wurzelnackten Bäumen passieren könne, entwickelten sich die Wurzeln nicht gut und hätten keinen optimalen Zugang zu Wasser. Geradezu liebevoll richten Adrian Todasca und seine Frau Claudia die jungen Gehölze deswegen Loch für Loch schön gerade aus und treten die Erde drumherum leicht an. 1.000 Lärchen bringen die zwei auf diesem zwei Hektar großen Areal in den Boden. Hinzu kommen 2.000 Rotbuchen. Doch diese kleinteilige, mühselige Arbeit ist wichtig – wenn Ulrich Pfaus Enkel Henry wirklich dereinst einen an die veränderten klimatischen Bedingungen angepassten, widerstandsfähigen Zukunftsmischwald vorfinden soll. Geschützt sollen unter anderem Lärchen den Zukunftswald bilden. Fotos: Schmalenbach  HIER mehr erfahren: Pfau-Nachrichten zum Download

Mehr mit dem Kopf arbeiten

Er lebt inzwischen in Treis-Karden an der Mosel. Dass der gebürtige Rheinländer dort heute sein Zuhause hat, hat auch mit einer jähen Zwangsunterbrechung seiner Arbeit im Traumberuf als Lkw-Fahrer zu tun. Allerdings steuert Stephan Reich keine „normalen“ Lastwagen, sondern ist in der Pfau-Logistiksparte mit dem „Tiefbett“ unterwegs. Mit diesem speziellen Auflieger werden häufig Schwertransporte durchgeführt, die vielfach erheblich üppigere Abmessungen aufweisen, als es (ohne besondere Genehmigung) im Güterkraftverkehr sonst zulässig ist (siehe „Mal lang, mal hoch, mal breit“). Größere Fahrzeuge haben Stephan Reich seit Kindertagen fasziniert. Vielleicht lag es daran, dass der Stiefvater Busfahrer bei den Bonner Stadtwerken war? Jedenfalls erzählt der super sympathische Pfau-Mitarbeiter noch immer begeistert von jener Zeit: „Da bin ich halt morgens gleich früh mit aufgestanden, und wenn ich frei hatte, bin ich immer mitgefahren.“ Seinerzeit wohnte der junge Stephan in Hangelar. Die dortige Kiesgrube zog ihn ebenfalls an: „Da habe ich immer zugeguckt, wie die Laster beladen werden.“ Dennoch beginnt er später eine Kochlehre. „Als während jener Phase die erste echte Freundin Schluss machte, habe ich alles hingeschmissen! Danach wollte ich eigentlich schon auf den Lkw, aber meine Eltern meinten, das sei doch kein Beruf“, schildert er. Also startet der Sohn abermals eine handwerkliche Ausbildung, schließt erfolgreich die Lehre zum Elektriker ab. Mit 21 jedoch war es endgültig soweit, nach entsprechender Schulung hatte Stephan Reich den vollwertigen Lkw-Führerschein. Zuvor war er schon kleine Lastwagen gefahren und verteilte mit einem 7,5-Tonner Brot im Kölner Raum. Doch das Unternehmen wollte größere Laster anschaffen, Reich besuchte daraufhin abermals die Fahrschule. „Und der Fahrlehrer kannte den Chef der ersten Firma, bei der ich bald darauf mit dem Schwertransport unterwegs war. So bin ich dorthin gekommen“, sagt er. Als er bei jenem Kölner Unternehmen gefahren ist, hatte er den Lkw-Führerschein noch recht frisch, „aber ich habe da direkt mit dem Schwertransport angefangen“, berichtet der jetzige Pfau-Mitarbeiter. Obschon er für seine Ruhepausen sonst bevorzugt Autohöfe abseits der Autobahnen ansteuert: An diesem frühen Morgen ist Stephan Reich vom Autobahnrastplatz „Soester Börde“ direkt an der A 44 gestartet, wo er auch übernachtet hat. Denn bei diesem Transport gestattete die Genehmigung für die Ausnahmefuhre keinen Abstecher von der Autobahn. Nächtlicher Blick in den rechten Außenspiegel: Der Fahrer muss schon ein sehr gutes Gefühl haben, was hinter seiner Zugmaschine noch alles kommt… Fotos: Schmalenbach Bei seiner nächsten Firma habe er mit „Flügel fahren“ begonnen, also Teile für Windräder transportiert. „Da war ich allerdings nur noch unterwegs, wochenweise! Du stehst mit den Flügeln außerdem immer an ‚toten Parkplätzen‘. Dann haut dein Begleiter ab, du kannst nicht weg und stehst irgendwo in Frankreich alleine im Wald. Da ist nirgendwo eine Toilette und du hängst das ganze Wochenende rum!“ Nach diesen Erfahrungen wollte Stephan Reich darum beim Wechsel zu Pfau eigentlich kein Tiefbett mehr bewegen, da das ja wieder eine Tätigkeit im Schwertransportbereich – und Übernachtungen im Fahrzeug – bedeuten würde. Doch ein „DAF“-Lkw, mit dem Reich daraufhin zunächst beim Westerwälder Unternehmen regional startete, ging kaputt. „Wegen des Motorschadens bin ich auf dieses Auto gegangen“, so Reich, während er mit seinem „Volvo 540“ einen überlangen Auflieger zieht, „und jetzt möchte ich nichts anderes mehr machen. Aber die holen mich auch immer nach Hause!“, hebt er hervor und meint damit, dass er wie andere Arbeitnehmer auch am Freitagmittag ins Wochenende geht. Denn am Wochenende „draußen sein“, so wie früher einmal, das wolle er nicht mehr: „Ich möchte freitags nach Hause – damit ich noch etwas einkaufen gehen kann, die Wäsche der Woche in die Maschine schmeißen kann. Sonst drängt sich alles am Samstag. Und sonntags musst du schon wieder packen für die neue Woche.“ Inzwischen ist der gebürtige Bonner das fünfte Jahr bei Pfau. „Immer gepflegte Autos, die beiden Chefs immer super nett“, urteilt er über seinen Arbeitgeber. Und gerade seinen „Volvo 540“ mag er sehr, wie er betont: „Mega Auto“, unterstreicht Reich. „Der hat zwei angetriebene Achsen, ich kann sie einzeln belasten. Das ist im Wald wichtig.“ 540 PS leistet das Fahrzeug serienmäßig, doch Reich fährt ein optimiertes Zugfahrzeug mit deutlich mehr Leistung und vor allem einem erheblich vergrößerten Drehmoment. Beides mache das Handling beim Schwertransport wesentlich angenehmer. Die Bordelektronik zeigt dem Fahrer minutengenau die gemäß der gesetzlichen Vorgaben verbleibende Tageslenkzeit an. Ebenso werden jene Tage aufgeführt, an denen er in der aktuellen Woche zehn Stunden insgesamt unterwegs war. Das ist nur zweimal wöchentlich zulässig, „die restlichen Tage dürfen nur maximal neun Stunden lang sein“, erklärt der Fachmann. Gleichermaßen gibt die Technik Auskunft über das Gesamtgewicht des Fahrzeugs, erlaubt per Kameras den Blick nach hinten oder an die Seite. „Das finde ich gut. Die Kamera geht auch an, wenn ich den Blinker setze – ich sehe noch besser, wenn jemand neben mir ist. Ein Fahrrad zum Beispiel. Es ist ebenso praktisch, wenn man im Wald unterwegs ist und Wurzeln leichter erkennt.“ Und nicht nur die technische Ausstattung seines Arbeitsgeräts findet Stephan Reich toll, wie er herausstellt: Da er die Woche über „draußen“ ist, also unterwegs und in seinem Lkw auch übernachtet, steuert er normalerweise abseitige Autohöfe anstelle von Rastplätzen direkt an den Autobahnen an. „Da ist es sauberer. Und da sind auch Parkplatzwächter, die Fahrzeuge sind in der Nacht bewacht. Solche Plätze für die Nacht kosten zwar Geld, aber das bezahlt Pfau“, lobt der Fahrer. Das gebe es bei vielen Fahrerkollegen in anderen Unternehmen, zumal aus Osteuropa, keineswegs. Nach Feierabend geht Stephan Reich duschen, macht sich sein Essen in der Fahrerkabine, guckt etwas Fernsehen (selbstverständlich hat sein „Volvo“ einen Flachbildfernseher eingebaut), telefoniert noch mit Freundin Cindy, die in Stuttgart lebt und arbeitet. „Eine Nacht ohne Duschen geht, wenn man zum Beispiel mal eine Nacht im Wald übernachtet oder ich Holz fahre“, schmunzelt der 57-Jährige. Aber 15 Liter eigenen Wasservorrat habe er ohnehin dabei. „Wenn ich duschen war, bin ich ein neuer Mensch.“ Es gehe nicht allein um Hygiene, sondern auch um mentale Erfrischung. „Und ich muss mich jeden Tag rasieren, die Haare müssen vernünftig sein, die Klamotten müssen vernünftig sein. Du kommst hier auf viereinhalb Quadratmetern klar. Kommst du nach Hause, weißt du erst einmal, wie gut…

Mal lang, mal hoch, mal breit

Bis heute hat die Firma Kleusberg ihren Hauptsitz in Wissen. Durch die 8.700-Einwohner-Stadt im nördlichen Westerwald fließt die Sieg in Richtung ihrer Mündung in den Rhein. Folgt man dem über 150 Kilometer langen Fluss von Wissen gen Westen, kommt man irgendwann auch nach Eitorf. Dorthin ist Stephan Reich gerade unterwegs, allerdings flussaufwärts und auf der Landesstraße 333. Die windet sich in dem Abschnitt, den Reich just befährt, durch zum Teil enge Kurven zwischen Siegauen auf der linken und den felsigen Siegtalhängen auf der rechten Seite hindurch. Ein Schild warnt vor dem verschlungenen Straßenverlauf. Kommen andere Fahrzeuge entgegen, wird es mitunter knifflig: Denn Stephan Reich ist „zu lang, zu hoch, zu breit“, lacht er – wie meist, wenn er im pfauroten „Volvo“ seiner Arbeit nachgeht, den er hinsichtlich der Ausdehnungen meint – und nicht etwa sich selbst. Drei Stunden früher: Stephan Reich hat sein Tagwerk mitten in der Nacht um drei Uhr auf dem Rastplatz „Soester Börde Nord“ begonnen. Dort, neben der A 44, hat er elf Stunden Pause gemacht, ist gut eine Stunde vor dem Start in den Arbeitstag aufgestanden, hat sich die Zähne geputzt, rasiert, Kaffee gekocht – ganz wie zu Hause. Nur halt in der Fahrerkabine seines „Volvo 540“. Der Begleiter fährt vor dem Schwertransport. An dem hängt ein Tiefbett-Sattelauflieger des Fahrzeugbauers Doll. Denn Pfau bietet in seiner Logistiksparte auch den Transport von Dingen an, die auf keinen „normalen“ Lkw passen. Reich hat schon Linienbusse, Kranteile für den Bau von Windrädern, eine mobile Brecheranlage, Stahlkonstruktionen, Agrargeräte, elektrische Betonmischer oder gebrauchte Kehrmaschinen damit durchs Land gefahren. Auch mit Forstmaschinen wie „Harvestern“ ist er oft unterwegs, die Pfau beispielsweise vom Verkäufer oder Vermieter zum Kunden schafft oder zwischen verschiedenen Standorten des deutschen Generalimporteurs der anerkannten „PONSSE“-Forst- maschinen aus Finnland fährt. Die transportiere er besonders gerne, schmunzelt Stephan Reich: „Ich darf die selbst auf den Auflieger fahren – das ist halt Männerspielzeug!“ Gleichwohl sei es eine echte Herausforderung, wenn er beispielsweise Harvester direkt aus dem Wald hole.         Der besondere Auflieger dazu sei „teleskopierbar“, erläutert der Fachmann. Was es damit auf sich hat, wird noch deutlich werden, wenn der Pfau-Mitarbeiter seine aktuelle Fracht gut sechs Stunden später abgeladen haben wird.Diese Fracht hat wiederum mit Kleusberg aus Wissen zu tun. Die Westerwälder Firma hat sich nach eigener Darstellung auf die Planung, Fertigung und Montage von Modulbauten sowie die Vermietung und den Verkauf von Containersystemen und Halleneinbauten spezialisiert. Und so ein von Kleusberg hergestelltes Raummodul, es ist für die Errichtung einer neuen Kindertagesstätte vorgesehen, hat Stephan Reich an diesem Morgen fest verschraubt im Tiefbett stehen und tags zuvor – vor seiner nächtlichen Pause bei Soest – im Saalekreis bei Halle abgeholt. Inzwischen hat er die etwa 170 Kilometer aus der Soester Börde bis nach Eitorf geschafft. Es lief super heute, keine Unterbrechungen, kein Stau, freie Autobahnen. Reich musste vor sechs Uhr, ehe die verkehrsreichere Tageszeit und der Berufsverkehr anbrechen, auf einem Parkplatz unweit des Ortseingangs von Eitorf sein, so stand es in der Genehmigung für diesen erlaubnispflichtigen Schwertransport. Dort soll er auf dem eigens für nächtliche Schwertransporte abgesperrten Gelände – drei Kollegen mit ihren Lkw sind bereits vor Ort und haben die Nacht in ihren Fahrerkabinen verbracht – warten, bis ein „Begleiter“ ihn abholt. So ein Begleitfahrzeug sehen die Straßenverkehrsbehörden immer dann vor, wenn ein Schwer- oder Großraumtransport die zulässigen Maße oder Gewichte überschreitet.„Wir haben drei Meter Breite, wir haben 24 Meter Gesamtlänge, das Modul selbst ist 11,59 Meter lang, die Höhe habe ich jetzt auf 4,12 Meter“, erklärt der Fahrer. Also in allen drei Richtungen größere Ausdehnungen, als ein Lkw ohne Ausnahmegenehmigung aufweisen darf. Warntafeln am Heck des Tiefbettaufliegers markieren das Ende des Moduls, „und dann kommen halt noch 2,80 Meter, das Fahrwerk“, ergänzt der Pfau-Mitarbeiter. Bauleiterin Lara Neumeister und ihr Kollege Timo Stock haben den Pfau-Schwertransport schon erwartet. Fotos (13): Schmalenbach Kurz vor dem Ziel wird es noch einmal eng. Fast drei Stunden Geduld muss er haben, bis er auf der Eitorfer Baustelle an der Reihe ist und Ralf Beil mit seinem rot-weißen Begleitfahrzeug zum Parkplatz kommt. Die beiden besprechen sich kurz. Reich fragt, welchen Kanal für den Funk Beil nutzen werde. Es sei 5 FM, antwortet der aus Großlohra stammende Fahrer des „Begleiters“.Per Funk halten die zwei Kontakt auf dem letzten Streckenabschnitt bis auf die Kleusberg-Baustelle. Der vorausfahrende Ralf Beil gibt Stephan Reich auf diese Weise Informationen zum Streckenverlauf oder wenn er vorzieht, um im Kreuzungsbereich den Gegenverkehr anzuhalten, damit Reich sein großes Gefährt gut „um die Ecken bringen“ kann. Auf den letzten paar hundert Metern seiner Strecke wird es noch einmal deutlich enger, es geht durch ein Wohngebiet, an welches angrenzend die in der kommunalen Planung „West III“ genannte Kita gebaut wird. Überall sind Halteverbotsschilder aufgestellt worden: Würde hier jetzt noch ein Pkw geparkt, gäbe es kein Durchkommen mit dem Modul auf dem Pfau-Tiefbett. Ralf Beil lenkt die beiden Hinterachsen, während Stephan Reich rückwärts auf die Baustelle fährt. Das jedoch ist wichtig: Auf der Baustelle wartet unter anderem schon Kleusberg-Bauleiterin Lara Neumeister auf den Schwertransport. Acht Module, wie der Pfau-Schwertransport gerade eines heranschafft, könnten pro Tag maximal „gestellt“ werden, schildert sie. 32 davon seien insgesamt nötig für den Neubau des Kindergartens, der in Eitorf entsteht. Die Bauleiterin sagt, dass so ein Projekt eine enorme Teamleistung sei: „Jeder Handwerker ist wichtig, jeder einzelne.“ Und sie sagt auch, dass die Module, wie Stephan Reich gerade eines abliefert, in der vorgesehenen Reihenfolge und im richtigen zeitlichen Ablauf kommen müssen: „Wir können nicht einfach eines auf die Wiese stellen, wenn eines, das zuvor eingebaut werden muss, nicht da ist!“, betont Neumeister. Das sei im ersten Obergeschoss, für das das von Pfau gefahrene Modul benötigt wird, schon aufgrund statischer Erwägungen unmöglich, da die Module stets auf Trägern des darunter befindlichen positioniert werden müssten. Ein perfektes Timing ist für den Baufortschritt essentiell. Auch mächtige Forstmaschinen wie diesen „PONSSE Scorpion Giant“ transportiert Pfau mit dem Tiefbett. Der PONSSE-Generalimporteur Wahlers Forsttechnik lobt in einem Social-Media-Post zu diesem Panorama in der Obersteiermark: „Ein großes Dankeschön an die Pfau GmbH für den reibungslosen und professionellen…

Aus der Baugrube in den Wald

Markus Köhler ist offenbar jemand, der sich gerne neuen Aufgaben stellt. Einst absolvierte er erfolgreich sowohl die Lehre zum Konditor als auch die zum Koch. Gerade jedoch ist er an einem frühlingshaften Tag unter blauem Himmel beruflich in einem Eichenwald unterwegs und steuert so spielerisch wie präzise einen Kettenbagger durch den Forst, um Rückegassen anzulegen (siehe „Gassen für den Hauberg, Brennholz für daheim“). Das Logo des Kirburger Unternehmens Pfau ist auf dessen Verstellausleger zu sehen. Markus Köhler arbeitete jahrelang am Herd, im Schwäbischen wie dem Siegerland. Doch arbeitgeberseitige Versprechungen wurden nicht eingehalten, verärgert hing er die Schürze irgendwann an den Nagel. Gleichwohl hat er bereits seit Kindheitstagen ebenso Interesse an schweren Baumaschinen, trotz seiner augenscheinlich vorhandenen, eher filigranen Fähigkeiten beim Verzieren von Torten und Ausgarnieren von Tellergerichten. Als dann ein Tiefbauunternehmer in einer Daadener Kneipe vorschlug, Köhler solle doch bei ihm als Baggerfahrer beginnen, wechselte er die Branche. 28 Jahre lang hielt der in Friedewald Lebende der Tiefbaufirma die Treue. Allerdings standen dort eines Tages Veränderungen an. Der Chef wollte altersbedingt verkleinern. Dass der routinierte Baggerfahrer daraufhin womöglich zu einem anderen Arbeitgeber wechseln würde, erfuhr man auch bei Pfau. Von dort, wie von weiteren Unternehmen, bekam Markus Köhler das Angebot, einzusteigen, und da er das seinerzeit noch in Mauden (heute Kirburg) beheimatete Unternehmen schon von gemeinsamen Baustellen kannte und schätzte, wechselte er. Das liegt nun drei Jahre zurück, und wenn man jetzt mit Markus Köhler über sein Berufsleben spricht, so bezeichnet er den Wechsel zu Pfau als ausgesprochen gute Entscheidung.„Ich finde, dass es für mich jetzt noch abwechslungsreicher ist – das ist, was mich reizt, muss ich sagen“, erklärt der Baggerprofi. Es spricht davon, dass er einerseits mit der Raupe einen Maschinenweg im Haubergswald freilegt dann wieder mit dem „Woodcracker“ Bäume entnimmt, aus denen hochwertiges Brennholz wird, und tags darauf vielleicht schon wieder eine Ausschachtung für ein Wohnhausbau vornimmt. „Es ist dabei natürlich ein enormes Vertrauen im Unternehmen vorhanden“, betont Köhler. „Die stellen mir hier alles hin an Maschinen, und ich erledige alles selbständig. Der Alexander (Anm. d. Red.: Köhlers Chef Alexander Pfau) ist nur einmal zum Gucken hier gewesen“, sagt der Westerwälder und meint damit seine mehrtägige, eigenständige Arbeit mit dem Forstbagger in einem Niederwald. Markus Köhler hat neben dem ihm gefallenden  Abwechslungsreichtum einen weiteren Vorteil hinsichtlich des breiten Tätigkeitsspektrums bei Pfau ausgemacht: „Ich finde es gut bei Pfau, dass wir so breit aufgestellt sind – gerade in der heutigen Zeit. Anders als in anderen, reinen Baufirmen, gibt es niemals die Situation, dass gerade nichts zu tun ist“, beschreibt er. „Das finde ich super. Im Baugewerbe ist es derzeit ruhiger als früher. Das kann uns in Anführungsstrichen egal sein, weil wir immer genug andere Arbeit haben! Wenn wir nicht im Tiefbau tätig sind, haben wir Aufgaben im Wald – ob ich jetzt mit dem Traktor mulche, im Wegebau aktiv bin ober bei der Verkehrssicherung an Straßen.“ Natürlich ist für so verschiedene Herausforderungen zugleich eine Vielfalt an Fähigkeiten erforderlich. Markus Köhler muss sich schließlich mit recht unter- schiedlichen Fahrzeugen und Baumaschinen auskennen und mit jeder zentimetergenau arbeiten können. Die Vielfalt in seiner jetzigen Firma gefalle ihm, sagt der Baggerfahrer (rechts). Fotos: Schmalenbach Er hat Spaß an der Arbeit, darum könne er sich auch in wechselnde Aufgaben einarbeiten, betont Markus Köhler. Das „A und O“ beim Arbeiten im Wald sei dabei, „den Bodendruck ständig im Blick zu haben sowie auf die Wurzelstöcke aufzupassen: Wo kann ich mit meiner Kette herfahren?“, deutet Markus Köhler auf die beiden je vier Tonnen schweren Metallstränge, auf denen sich sein „Volvo ECR235EL“ bewegt. Es sei erst ein paar Tage her, dass ihm, zum ersten Mal in seiner jahrzehntelangen beruflichen Laufbahn, an einem extrem regenreichen Tag eine Kette abgesprungen sei. „Ich musste eine Gasse wieder nach oben und darum wegen des Bodendrucks versetzt neben den Spuren fahren. Dann kommst du irgendwann in die Wurzelstöcke. Wenn du den Bagger dann nur ein ganz klein bisschen drehst, dann wirft dir die Eiche die Kette runter – die Eichen sind sehr stabil! Du musst wirklich extrem darauf aufpassen im Wald.“Ebenso sei die Hangneigung und der zuweilen aufgeweichte Boden ein Faktor – anders als im Tiefbau an einer Straße, wo man wunderbar gerade stehe mit dem schweren Gerät: „Auf jeden Fall“, nickt Köhler, „deswegen habe ich immer das Schild am Bagger nach vorne, wenn ich bergab fahre. Kommst du ins Rutschen, lässt du das runter und dann bleibt der Bagger stehen.“ Ohnehin sei es im Wald wichtig, ohne Hektik zu arbeiten, kontrolliert jede Bewegung abzuwägen. „Schon alleine, um keine Pflanzen zu schädigen, die stehenbleiben sollen. “ Aber genau das möge er an der Arbeit im Forst: Man müsse sich noch mehr konzentrieren als sonst bei Baggerarbeiten. „Das spricht mich sehr an. Im Tiefbau hast du normalerweise Platz. Da gibt es andererseits Kriterien, die wiederum hier im Wald keine Rolle spielen. Du musst zum Beispiel auf deine Höhen aufpassen.“ Man erlebt mit Markus Köhler einen super netten Zeitgenossen, der eine große Zufriedenheit ausstrahlt – zufrieden mit dem, was er im beruflichen Alltag tut. Man könnte als Laie glatt vergsssen, dass dabei alles gar nicht so einfach sein dürfte, wie es aussieht: Mit dem „Woodcracker“, der am Bagger montiert ist, kann man zugleich Baumstämme festhalten, abschneiden und außerdem mit einem „Sammler“ dünnere Stämme zusammentragen, ehe man das Holz neben der Rückegasse ablegt. Das dürfte koordinativ recht fordernd sein, zumal ja alle sonstigen Bewegungen der Baumaschine zeitgleich hinzukommen. Man müsse eben ein Interesse an dieser Arbeit haben, an den Maschinen, nickt der Westerwälder, darauf angesprochen. „Mein Lebensmotto ist immer gewesen: Es gibt nichts, das man nicht lernen kann, wenn man Spaß daran hat. Und wenn du Spaß an etwas hast, lernst du es auch.“ Seine Arbeit, sagt Köhler, sei bei seinem heutigen Arbeitgeber noch umfangereicher, als vorher im reinen Tiefbauunternehmen. „Und das ist, was ich bei Pfau mag: diese Vielfalt. Es ist nie monoton, das finde ich schön.“Aus der Konditorei in den Tiefbau, vom Tiefbau in den Wald: Wie hatte Markus Köhler gesagt? Es gibt nichts, das man nicht lernen kann. Wenn man…

Gassen für den Hauberg, Brennholz für daheim

30, 40 Jahre lang, so schätzt Markus Köhler, ist der Weg wohl nicht mehr gepflegt worden. Dieser „Maschinenweg“ wurde einst zwar eigens für die Holzabfuhr angelegt, doch ein „normales“ Fahrzeug könnte hier heute nicht mehr fahren; nicht einmal ein Rückezug. Farne, Brombeeren, durchaus schon stattliche Fichten stehen im Weg. Die Natur hat die vormals freien Flächen am Waldrand zurückerobert, der zugewucherte Pfad ist kaum mehr auszumachen. Markus Köhler muss erst Platz schaffen – mit einer Raupe, die Pfau neben vielen anderen Maschinen im Einsatz hat. Der 160 PS starke Dieselmotor mit einem ladeluftgekühlten Turbolader bewegt die „Liebherr 724“ scheinbar unaufhaltsam nach vorne: Köhler kann im Weg stehende Pflanzen leicht mit dem Schild des Geräts zur Seite schieben, die hier in diesem Eichenbestand nicht geplanten Nadelbäume einfach umwerfen und den freigelegten Boden zugleich mit der Maschine ebnen. „LGP“ steht an deren Karosserie, was „Low Ground Pressure“ bedeute und laut Hersteller darauf hinweise, dass die Raupe ausdrücklich für weiche Böden mit geringem Bodendruck konzipiert wurde – so, wie sie eben auch im Wald vorhanden sind.Das bodenschonende Arbeiten wird im weiteren Verlauf von Markus Köhlers Einsatz in diesem Haubergswald noch eine große Rolle spielen, wenn er später die vom Förster vorab markierten Rückegassen anlegen wird. Die sollen hangabwärts in den von dem Pfau-Mitarbeiter mit der Raupe freigelegten Abfuhrweg münden. Dieser Pfad befindet sich als unterster von drei Wegen am Fuß eines Hanges in einem Haubergswald zwischen Daaden und Herdorf, einem klassischen Niederwald. So ein Niederwald ist über viele Jahrzehnte charakteristisch gewesen für die Kulturlandschaft heimischer Mittelgebirge. In der heutigen Forstwirtschaft eher selten, fällt der vergleichsweise niedrige sowie unterschiedlich hohe Wuchs dieser historischen Nutzungsform auf, die im 19. und 20. Jahrhundert noch häufig vorhanden und laut Landesforsten Rheinland-Pfalz die in Rheinland-Pfalz vorherrschende Bewirtschaftungsart war. Mit dem „Woodcracker“ lassen sich einzelne Bäume entnehmen. Nach dem Raupeneinsatz ist der Maschinenweg wieder offen. Inzwischen ist der Anteil des Niederwaldes an der Gesamtwaldfläche in Deutschland auf weniger als drei Prozent gesunken. Die meisten entsprechenden Flächen wurden in überwiegend mehreren Schritten in Fichten-Hochwald umgewandelt. Doch dort, wo Markus Köhler fleißig ist, befindet sich weiterhin ein solcher Niederwald.Der typische Niederwald wurde früher überwiegend durch Selbstwerber aufgearbeitet, was auch seine Vielgestaltigkeit erklärte: Auf manchen Parzellen wurde alles kahl gefällt, während direkt nebenan ein geschlossener Eichenwald aufragte. In diesem Haubergswald zwischen Daaden und Herdorf jedoch sind die Dimensionen allerdings schon zu groß für den „motormanuellen Einschlag“ durch Laien, die sich hier ihr Brennholz selbst machen würden. Zugleich ist das Holz sehr krumm, wäre also mit einem „Harvester“ nur bedingt zu bearbeiten.Markus Köhler steigt darum nach der Arbeit mit der Raupe auf dem unteren Weg in einen Bagger um, den er im Haubergswald gleichermaßen zur Verfügung hat. Diese Maschine steht gerade weiter oben auf dem mittleren Abfuhrweg und ist mit einem „Woodcracker“ ausgerüstet.   „Woodcracker“, so nennt das österreichische Maschinenbauunternehmen „Westtech“ das komplexe Anbauaggregat, über das Pfau verfügt und das gerade an Köhlers „Volvo“-Bagger montiert ist. Das Werkzeug kann er allseitig drehen und neigen. An dessen oberem Ende ist ein Greifer angebracht, mit dem der Baggerfahrer einen Baum sicher festhalten und mit einem darunter angebrachten Messer „abknipsen“ sowie in Abschnitte zerteilen kann. Gleichwohl fordern einige der hier im Hauberg stehenden Eichen das Gerät bis an seine Leistungsgrenzen, Markus Köhler muss mehrfach „knipsen“, bis manche Stämme zerteilt sind. Zwischen Greifer und Messer ist ein drittes Werkzeug vorhanden, ein „Sammler“, mit dem der Pfau-Mitarbeiter erst mehrere dünnere Äste zusammentragen kann, ehe er sie zur Seite legt. Markus Köhler arbeitet sich mit diesem so ausgerüsteten „Volvo“ behutsam durch den Wald nach unten. Er bleibt dabei immer zwischen zwei Bäumen, die links und rechts von ihm durch den Förster mit weißen Streifen gekennzeichnet worden sind und die (Einfahrt in die) Rückegasse markieren. Dazwischen sind immer wieder mit einem roten Strich versehene Bäume zu erkennen, die ungefähr in der Mitte der Rückegasse stehen, die mit dem Forstbagger angelegt wird. Mit den weißen Streifen an den Bäumen links und rechts hat der Förster die spätere Einfahrt zur Gasse markiert, die Markus Köhler hier anlegen soll. Der Forstbagger ist optimal für sehr gezieltes Arbeiten im Bestand. Das Fahren auf Ästen, die ohnehin gehackt werden, schont den Boden. Der Baggerfahrer sortiert die als Brennholz geeigneten Stämme direkt mit dem „Woodcracker“. Die Bäume zwischen den markierten Stämmen an den Seiten soll Markus Köhler dazu mit dem „Woodcracker“ entnehmen. Aus diesen soll Brennholz werden. Pfau leistet das „Abknipsen“ auf Wunsch als Dienstleistung für Waldbesitzer, die das so gewonnene Brennholz anschließend selbst verkaufen können. Ebenso bietet Pfau an, Bestände komplett zu übernehmen. Die gehen dann beim Kirburger Unternehmen in die hauseigene Brennholzproduktion mittels Spaltautomat (die „PFAU-NACHRICHTEN“ berichteten – siehe „Brennholz aus dem neuen Automaten“). Eine gleichzeitige Durchforstung wäre gleichwohl ebenso möglich. In diesem Wald jedoch war nur die Gassenanlage gewünscht, so dass ausschließlich Bäume zu Brennholz werden, die nach Maßgaben des Försters dort entnommen werden, wo nach Abschluss der Arbeiten die Rückegassen in einem Abstand von 30 Metern zueinander durch den Wald führen.Im zweiten Schritt in vielleicht zwei oder drei Jahren wird üblicherweise auf solchen Flächen die „Dimensionierung“ vorgenommen. Es werden also bei der Durchforstung Bäume – durchaus auch für eine stoffliche Nutzung als Eichenschnittholz – geerntet, damit andere, zukunftsträchtigere Pflanzen mehr Platz, Licht und Nahrung bekommen. Markus Köhler ist inzwischen bei der Anlage der einen Gasse durch diese nach unten gefahren, wechselt nun in die benachbarte und fährt dabei vom unteren wieder nach oben zum mittleren Weg. Dort dreht er erneut, die übernächste Gasse wird abermals bergab angelegt. So soll die Bodenverdichtung gering gehalten werden, da der Bagger jede Stelle nur einmal befahren muss. Und noch einen Trick zugunsten des Bodens wendet der Pfau-Mitarbeiter bei seinem Baggereinsatz an: Die Astkronen der entnommenen Bäume schneidet er zunächst mit dem „Woodcracker“ vom dickeren Teil des Stammes ab und legt sie auf separaten Stapeln zusammen. Sie werden später direkt im Wald gehäckselt, um Material für ökologisch sinnvolle Hackschnit- zelheizungen zu gewinnen. „Zuvor jedoch lege ich mir einige Äste hier an diese Stellen, wo es sehr steil ist“, deutet Markus Köhler auf eine der Rückegassen, „in…

Ohne schriftliche Bewerbung zum neuen Job

Ehe Lukas Mertens im März 2020 Teil des Pfau-Teams wurde, war er in einem Tief- und Straßenbauunternehmen tätig, das unter anderem viele Außenanlagen gestaltet oder defekte Wasserleitungen erneuert hat. Im vorangegangenen Winter hatte der Hachenburger sogar noch die Zusatzqualifikation als Berufskraftfahrer erworben. „Den Lkw-Führerschein hatte ich eigentlich gemacht, um für meinen damaligen Arbeitgeber noch flexibler einsetzbar zu sein“, schildert er. Doch der vorherige Arbeitgeber – das missfiel Mertens zusehends – konnte ihm keine richtige Perspektive für die Zukunft bieten. „Oder wollte es vielleicht auch nicht“, sagt der Westerwälder heute. Es nimmt nicht Wunder, dass die beruflichen Gegebenheiten zu Beginn des Jahres 2020 in Lukas Mertens eine immer größere Unzufriedenheit entstehen ließen. Irgendwann wünschte er sich eine Veränderung. „Da habe ich mir – weil ich beim Autofahren schon oft ein Holzauto von Pfau vor mir hatte – gedacht: ‚Probiere es doch einfach einmal initiativ dort.‘ Zumal ich ja von meiner Ausbildung her eigentlich aus der Branche komme“, erzählt Mertens. Denn dereinst hatte er in der Eifel erfolgreich die dreijährige forstwirtschaftliche Ausbildung zum Forstwerker absolviert, zu der Bereiche wie das Pflanzen, die Kulturpflege, das Läutern sowie Fällen und vieles mehr gehören. „Man muss auch die lateinischen Namen der Pflanzen lernen“, blickt der jetzige Pfau-Mitarbeiter zurück. Die duale Ausbildung in einem Betrieb und der zuständigen Berufsschule schloss er als Drittbester seines Kurses ab. Der Westerwälder mag es, mit Holz zu arbeiten und ist bei Pfau auch beim „motormanuellen Fällen“ im Wald im Einsatz. Seine Initiative war erfolgreich, Alexander Pfau bat Lukas Mertens ganz unkompliziert am Telefon: „Komm‘ mal vorbei.“ „Und dann haben wir einen Termin ausgemacht – so schnell kam ich zu einem Vorstellungsgepräch“, freut er sich noch heute, „ohne eine vorherige schriftliche Bewerbung!“ Mitte Januar erfolgte damals der erste, telefonische Kontakt, „eine Woche später hatte ich bereits das Gespräch – und schon am 1. März konnte ich anfangen bei Pfau. Das passte genau, da ich im alten Betrieb noch einen Monat Kündigunsfrist hatte“, betont Mertens.   Zu Beginn seiner neuen Tätigkeit bei Pfau war er mit der Motorsäge und einem Traktor samt Forstseilwinde viel im Wald aktiv, „um Windwurf für den ‚Harvester‘ vorzuliefern“, erläutert der Fachmann. Anschließend war er genauso im Einsatz, um Sägewerke mit Holz zu versorgen. „Da bin ich viel die ‚Sauerlandlinie‘ entlang gefahren.“ Ebenso bugsierte er unter anderem Überseecontainer, mit denen die enormen Mengen „Käferholz“ von vom Borkenkäfer heimgesuchten Kalamitätsflächen verschifft werden mussten, weil die inländischen Sägewerke gar nicht die ausreichende Kapazität hatten, um die plötzlich anfallenden Massen zu verarbeiten. Bei allem half der eigentlich noch für den alten Arbeitgeber erworbene Lkw-Führerschein, der dem Fleißigen aber derart vielfältige Betätigungsfelder nicht geboten hatte. Lukas Mertens (im Mercedes) kann aufgrund seines Führerscheins jederzeit die Tiefbau-Kollegen unterstützen. Anders vom Start weg bei Pfau: „Unseren ältesten Auflieger, den wir – leider – nicht mehr haben, den haben wir ‚Eisenschwein‘ genannt. Der bestand nur aus Stahl! Unkaputtbar“, lacht Lukas Mertens. Mit jenem und einem Mercedes-„Actros“ V8 war er im Dienste Pfaus offenbar so gut unterwegs, dass ihm daraufhin sogar der Langholztransport zugetraut wurde. „So bin ich dann zum Langholz-Fahren gekommen – innerhalb weniger Wochen! Das war schon eine große Umstellung“, erinnert sich der Hachenburger, „weil du den Nachläufer hinten separat von drinnen lenken kannst. Das ist etwas anderes, als mit einem normalen Sattelauflieger – gerade das Rückwärtsfahren, weil du dann quasi für zwei Fahrzeuge denken musst.“ Auch Tieflader seines Arbeitgebers bewegt er bald schon, um Forstmaschinen wie den Rückezug oder den „Harvester“ zu Einsatzstellen zu bringen. „Da hat der Ulrich Pfau mir schon am Anfang mehr zugetraut, als ich mir selber zugetraut hätte. Aber im Nachhinein war es die richtige Entscheidung von ihm“, sagt der Pfau-Mitarbeiter, „irgendwann hat das alles richtig Spaß gemacht.“Lukas Mertens hätte bei Pfau ebenso die Möglichkeit gehabt, im Fernverkehr unterwegs zu sein, was ihm jedoch nicht zusagte. Stattdessen arbeitete er begeistert mehr und mehr in der Pfau-Tiefbauabteilung mit, brachte sich fleißig im Wegebau ein. Wieder und wieder setzt er seine Fähigkeiten der Forstwirtschaft ein, wenn etwa jemand zum „Zufällen“ gebraucht wird, weil eine Fläche nicht rein maschinell bearbeitet werden kann. Und seit kurzem zeichnet er verantwortlich für den Betrieb der Pfau-Brennholz-Produktion in einer der Kirburger Hallen des Unternehmens (die „PFAU-NACHRICHTEN“ berichteten). Konzentriert arbeitet der Hachenburger am Sägespaltautomat. Getrocknetes Brennholz (in einer Pfau-Halle): Der Forstwerker achtet auf Top-Qualität. Fotos: Schmalenbach Lukas Mertens findet es höchst sinnvoll, wie er hervorhebt, wenn es beim Brennholz-Thema feste Zuständigkeiten gibt. „Und nicht fünf verschiedene Leute an so einer Maschine arbeiten“, deutet er auf den Sägespaltautomat. Mit diesem können hochwertige Holzscheite verschiedener Längen produziert werden, zum Beispiel aus dem in Niederdreisbach bei Verkehrssicherungsmaßnahmen entnommenen Holz (siehe „Sicherer Verkehr, nachhaltige Verwertung“). „Denn jeder macht etwas anders, geht anders mit der Maschine um“, begründet er sein Plädoyer. „Wenn ein oder zwei Mitarbeiter sich federführend mit dem Thema beschäftigen, hat es den Vorteil, dass die immer wissen, was an Holz da ist, in welchem Stadium es gerade ist, welche getrockneten Holzarten vorhanden sind und sofort nutzbar – da ist der Überblick besser.“ Im Übrigen komme jedem Maschinenführer letztlich eine große Verantwortung dafür zu, dass die Pfau-Kunden verlässlich nur Top-Qualität mit jeder Brennholz-Lieferung erhalten, findet er. Ohnehin scheint das Thema „Holz“ Lukas Mertens in gewisser Weise in die Wiege gelegt worden zu sein: Sein Opa war schließlich Revierförster im Hunsrück. Der Vater ist gelernter Schreinermeister. Seine Eltern zogen in ihren Zwanzigern der Arbeit wegen vom Hunsrück zurück nach Hachenburg, von wo auch eine Oma Mertens‘ stammte. „Ich bin ebenfalls wieder gebürtiger Hachenburger, bin in dritter Generation wieder ein echter Wäller“, zwinkert der 33-Jährige (Anm. d. Red. Die Westerwälder bezeichnen sich selbst als „Wäller“). „Ich habe damit in gewisser Weise zum Ursprung zurückgefunden“, schmunzelt er, „nicht nur in den Westerwald, sondern genauso wieder in Richtung Wald und zum Holz als Ausgangsmaterial für vieles, das uns im Alltag begegnet!“ Bei Lukas Mertens‘ zwei jüngeren Geschwistern scheint die Leidenschaft des großen Bruders für Holz hingegen zu fehlen: Seine Schwester ist Erzieherin in der Kita, der Bruder kümmert sich für ein hessisches Unternehmen um die Bauleitung im Glasfaserbereich. Den ganzen Tag in einer…

Sicherer Verkehr, nachhaltige Verwertung

Sonst sind hier Menschen auf Trekkingrädern, Gravel- oder Montainbikes unterwegs. Einige strampeln einfach aus Spaß in der Freizeit, andere sausen auf dem Asdorftalradweg per E-Bike zur Arbeit oder bringen ihre Kinder mit dem Lastenrad zur Kita. Doch heute ist diese Route, die Kirchen mit Oberasdorf verbindet, im Norden von Niederfischbach gesperrt. Anstelle von Radlern fahren Niklas und Benjamin darauf herum. Der eine Pfau-Mitarbeiter mit einem Mobilbagger, sein Kollege mit einem Rückezug. Sie führen im Auftrag der Gemeinde Verkehrssicherungsmaßnahmen durch – gleichzeitig wird dabei nachhaltig Brennholz und Material für Hackschnitzelheizungen gewonnen. Es sieht zum Teil recht spektakulär aus, wenn zehn, elf Meter lange Stämme durch die Luft zu „schweben“ scheinen: Niklas arbeitet sich mit dem Mobilbagger den Radweg entlang auf Niederfischbach zu. Am Arm der Baumaschine ist ein „Woodcracker“ montiert. Mit diesem greift der Pfau-Mitarbeiter immer wieder Sträucher und Bäume, die an der Böschung neben dem Asdorftalradweg aufragen, hält sie mit der oberen Zange des Anbaugerätes fest und schneidet sie mit einer ebenfalls daran befindlichen, hydraulischen Schere darunter ab. Vielfach schneidet Niklas den Baum zunächst etwa auf halber Höhe ab: Der obere Teil wird gehackt… …der untere, astfreie wird zu Brennholz. Der zuständige Förster hat zuvor jene Bäume markiert, die er als standsicher und somit als den Verkehr auf dem Radweg sowie der benachbarten Straße L 282 nicht gefährdend einstuft. Sie sind mit einem pink Punkt gekennzeichnet, Niklas lässt sie unangetastet. Alle anderen greift er, wenn sie länger sind, zunächst in halber Höhe mit dem „Woodcracker“ und zerteilt sie. „Die oberen Stücke sind als Brennholz oft nicht geeignet, da sie zu dünn sind“, erklärt er, „sie werden später zu Hackschnitzeln gemacht und dementsprechend dennoch sinnvoll genutzt.“ Die dickeren und überwiegend astfreien unteren Teile hingegen könne man zu Brennholz verarbeiten, erläutert der Fachmann. Mit dem „Woodcracker“, der an einem Mobilbagger montiert ist, entnimmt Niklas Stamm für Stamm ganz präzise und kann das Holz direkt so schneiden, dass für Brennholz geeignete Abschnitte vom übrigen Teil der Bäume getrennt werden. Der Förster hat Bäume markiert, die standsicher sind und stehen bleiben können. Fotos: Schmalenbach Auf einen Stapel legt Niklas als Brennholz geeignete Stämme zusammen, auf einem anderen Äste und Sträucher und sortiert das Holz damit gleichzeitig vor. Das sieht zwar alles sehr spielerisch aus, ist mit dem „Volvo“-Mobilbagger, den Niklas einsetzt, aber vermutlich eine viel Konzentration, eine ausgesprochen ruhige Hand und ein sehr scharfes Auge erfordernde Arbeit! Denn der Baggerfahrer bugsiert das Holz zwischen den anderen Stämmen zentimetergenau heraus, legt es parallel neben dem Radweg ab (siehe VIDEO) und achtet bei jedem einzelnen „abgeknipsten“ Baum darauf, dass er ihn erst hoch über die Böschung hebt, ihn neigt und in dieselbe Richtung dreht, in welcher der Radweg verläuft, so dass die Stämme nicht über den Verkehr auf der nebenan verlaufenden Straße gehoben werden.     Dieser wird durch eine notwendige Ampelregelung eingeschränkt, die Landstraße zur Einbahnstraße, solange Niklas, Benjamin und ihre Kollegen fleißig sind: Die näher am Radweg verlaufende Fahrspur ist gesperrt, damit niemand zu Schaden kommt, sollte trotz aller Achtsamkeit doch einmal ein Ast neben den Radweg fallen. Ein Autofahrer, der durch die Ampelstrecke fährt, stoppt: „Sind Sie von der Presse? Schreiben Sie, was das für eine Schande ist!“, ruft er erregt durch das heruntergelassene Seitenfenster seines grauen Kombis. Ein Passant, der den mürrischen Zeitgenossen just gehört hat, entgegnet: „Naja, wenn man nichts macht und einem Radfahrer später ein abgebrochener Ast auf den Kopf fällt, ist der Schaden und die Aufregung hinterher auch wieder groß!“ Eine einspurige Verkehrsführung stellt sicher, dass genug Abstand zum Straßenverkehr vorhanden ist. Um das von Niklas abgeschnittene und zusammengelegte Holz kümmert sich als nächstes sein Kollege Benjamin. Er packt es mit dem Greifer seines Rückezugs, lädt es auf und fährt mit dem „Ponsse Buffalo“ zu einem Lagerplatz am Anfang des Baustellen-Abschnitts im Tal des Bächleins Asdorf. Dort ragen schon zwei große Haufen auf: links dünne Äste und kleinere Gehölze, die sich nicht als Brennholz eignen, wie Niklas just geschildert hatte. Rechts Ahorn-, Birken-, Buchen- und Eichenstämme, die nachfolgend abtransportiert und bei Pfau in Kirburg von Lukas (siehe „Ohne schriftliche Bewerbung zum neuen Job“) zu handlichen Holzscheiten verarbeitet werden. Anschließend erfolgt deren Trocknung auf einen Wert unter 20 Prozent Restfeuchte. Die Bundesimmissionsschutzverordnung schreibt vor, dass als trocken bezeichnetes Brennholz weniger als 20 Prozent Feuchtigkeit enthalten muss, wobei eine Restfeuchte von15 bis 18 Prozent als ideal gilt. So werden alle in Niederfischbach entnommenen Bäume voll verwertet: Sind sie dafür geeignet, wird daraus bei Pfau mittels Spaltautomat hochwertiges Brennholz gemacht. Alles andere Holz wird im neuen Jahr gehackt und geht als umweltfreundlicher Bioenergieträger in Hackschnitzelheizungen oder auch Kraftwerke zur Ökostromerzeugung. So erfährt der gesamte Baum – wenn er denn nach Meinung der zuständigen Stelle aus Verkehrssicherheitsgründen schon weichen muss – eine sinnvolle Nutzung. „Ich mach‘ mit dem Bagger so weit, wie ich von der Reichweite des Armes her komme“, beschreibt Niklas. „Der Rest, oben am Rand der Böschung, wird von meinen Kollegen Adrian und Claudia mit der Motorsäge zugefällt. Die zwei schneiden ohnehin alles nach, damit es hier wirklich sauber aussieht, wenn wir fertig sind.“ Ebenso komme die Motorsäge an jenen Stämmen zum Einsatz, die für die Schere am Bagger zu dick sind. „Der Ahorn ist fast wie Glas“, sagt Niklas auf die Frage, ob sich die verschiedenen Holzarten, die entlang des Asdorftalradwegs wachsen, beim Schneiden mit dem „Woodcracker“ unterschiedlich verhalten. „Manches Mal knipst du die oben ab und ein Splitter fliegt einige Meter weit weg. Da vorne“, deutet Niklas auf einen noch vor ihm liegenden, südlicheren Teil des Radwegs, „da stehen Robinien – die sind extrem zäh. Mitunter musst du das Werkzeug fünf- oder sechsmal auf- und zumachen!“ Neben dem Radweg soll nichts zurückbleiben, alles wird sofort vom Rückezug aufgeladen… …und zum Lagerplatz gebracht. Generell werde für das spätere Brennholz ausschließlich Ahorn, Birke, Buche und Eiche verwendet, betont Niklas, „alles andere wie Erle, Weide oder Pappel wird gehackt.“ Insgesamt sechs Tage lang ist Pfau mit der Verkehrssicherungsmaßnahme im Auftrag der Gemeinde Niederfischbach beschäftigt. Bis zu acht Mitarbeiter gleichzeitig bringen die 1.700 Meter lange Strecke in die gewünschte Form. Dass Benjamin…