Forst Pfau

Damit auch Henry noch Wald haben wird

„Wir haben Wald vorgefunden, den andere vor uns gepflanzt haben. Und ich möchte den nachfolgenden Generationen auch gerne Wald hinterlassen“, sagt Ulrich Pfau. Mit seinem Enkel Henry baut er an einem Hang nahe des Westerwalddörfchens Mauden Wuchshüllen um kleine Lärchen herum auf. Dieser „Einzelschutz“ aus Gittern und Holzstäben soll vor Wildschäden bewahren.

Schutz haben die noch sehr kleinen Pflanzen nötig: Claudia und Adrian Todasca vom unter anderem im Bereich forstlicher Dienstleistungen tätigen Kirburger Unternehmen Pfau, das Ulrich Pfau zusammen mit seinem Sohn Alexander leitet, haben sie erst vor wenigen Minuten gepflanzt. Früher standen auf dieser Fläche Fichten – die, wie fast alle dieser Monokulturen im Westerwald, dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen sind.
In Österreich ist die Europäische Lärche vom Kuratorium Wald in Kooperation mit dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft zum „Baum des Jahres 2026“ gekührt worden. In Deutschland war sie das bereits 2012.

Beim Pflanzen muss zunächst eine Humusschicht entfernt werden.
Es erfordert einige Kraft, an dieser Stellen ein Loch für die jungen Lärchen in den Boden zu bekommen.

Der Baum ist eine wirklich bemerkenswerte Art: Forstwirtschaftlich wird die Lärche aufgrund ihres witterungsbeständigen Holzes sehr geschätzt, das sehr viel Harz enthält und sich zudem gut verarbeiten lässt. „Als beständiger Habitatbaum bietet sie Lebensraum und Nahrung für viele Vogelarten“, so das österreichische Fachministerium. 25 bis 45 Meter hoch wachse die Lärche, zuweilen überschreite ihre Länge sogar die 50-Meter-Marke. Die Art kann dabei mehr als 1.000 Jahre alt werden!

Die „Containerpflanzen“ bringen Erde, Feuchtigkeit und Dünger mit.
Die exakte Tiefe sei ausgesprochen wichtig, erklärt Adrian Todasca, „und ebenso, dass die Wurzeln gerade unter der Pflanze stehen.“

Die jungen Bäumchen, die auf der früheren Fichtenfläche bei Mauden in den Boden gebracht werden, sind allerdings erst bis zu fünf Jahre alt. Adrian und Claudia Todasca müssen ganz schön schuften beim Pflanzen der Lärchen. „Ist nicht so leicht, aber es geht“, zwinkert Adrian, während er einen blauen Pflanzspaten wieder und wieder in den Boden rammt, um ein passendes Loch in den schon nach wenigen Zentimeter felsigen Untergrund zu stemmen. Er dreht das Werkzeug und zieht damit die Erde aus den Pflanzlöchern heraus, in welche die Lärchen mit ihren Ballen genau hineinpassen.

Nachdem der Borkenkäfer den früheren Fichtenbestand arg geschädigt hatte, wurde das Käferholz 2021 aus diesem Haubergswald entnommen. Seither sorgt die Naturverjüngung an vielen Stellen von alleine für einen wertvollen Mischwald als Nachfolger (1). An anderen Stellen auf derselben Erhebung wächst nicht viel nach (2). Diese Lücken schließen die Pfau-Mitarbeiter mit passend ausgewählten Baumarten (3).

„Diese sogenannten ‚Containerpflanzen‘, die wir hier verwenden, bringen ihre natürliche Umgebung mit, in der sie bisher gewesen sind“, erläutert Ulrich Pfau den Vorteil der – gegenüber wurzelnackten Pflanzen – etwas teureren Gehölze. „Außerdem ist im Ballen ein Dünger enthalten. Diese Lärchen haben zudem direkt Feuchtigkeit zum Anwachsen dabei und so einen guten Start. Es gibt nicht den ‚Wurzelschock‘, wie wenn Pflanzen aus einer Pflanzkultur in fremden Boden kommen.“
Große Teile des Areals – sicherlich gut die Hälfte –, in dem die Pfau-Leute gerade arbeiten, ist durch „Naturverjüngung“ bereits dicht bestockt: Hier wachsen von der Natur ausgesäte Eichen, Fichten, Birken, Vogelkirschen, Lärchen und Ahornbäume. An jenen Stellen jedoch, wo von alleine praktisch nichts sprießt – von ein paar Gräsern, Brombeeren und vor allem Ginster abgesehen – , werden die jungen Bäume gesetzt, jeweils im Abstand von drei Metern zu einander.
Doch nicht überall kommt Lärche zum Einsatz, um die Lücken zu schließen, die die Naturverjüngung in diesem Haubergswald gelassen hat. Mit einer Distanz von etwa acht Metern soll sich an den Lärchenbestand später ein Gutteil Buche anschließen. Die Laubbäume profitierten bei ihrem Wachstum dabei von den benachbart stehenden Lärchen, erklärt Adrian Todasca: „Die Lärche wächst schneller als die Buche. So, wie wir sie pflanzen, spendet der Nadelbaum den kleinen Laubbaumpflanzen später etwas Schatten in unseren zusehends heißen Sommern“, schildert der Forstwirt. 

Adrian Todasca, Ulrich Pfau und dessen Enkel Henry (von rechts) errichten Wuchshüllen um die jungen Lärchen.
Für die spätere Entwicklung der Jungbäume ist bereits die fachkundige Pflanzung wesentlich.

Und dann bereitet er ein nächstes Pflanzloch vor, wozu er zunächst eine dicke Humusschicht abtragen muss, die sich auf dem Boden gebildet hat. Wieder gilt es, danach ein Loch in den Untergrund zu bekommen. Das alles dauert eine Weile. Doch andere, zuvor in selber Weise bestockte Flächen zeigen, dass die nicht auf Akkord ausgerichtete, sorgsame Arbeitsweise erheblich bessere Ergebnisse erzielt und der größte Teil der Jungbäume gut anwächst, sich wie erhofft entwickelt.
Dazu sei es unter anderem entscheidend, dass die Jungpflanzen in der idealen Tiefe gesetzt werden, betont Adrian Todasca. Ebenso sei ausgesprochen wichtig, dass die Wurzeln senkrecht unter der Pflanze stehen. Knickten sie um, was bei falschem Vorgehen insbesondere bei wurzelnackten Bäumen passieren könne, entwickelten sich die Wurzeln nicht gut und hätten keinen optimalen Zugang zu Wasser.


Geradezu liebevoll richten Adrian Todasca und seine Frau Claudia die jungen Gehölze deswegen Loch für Loch schön gerade aus und treten die Erde drumherum leicht an. 1.000 Lärchen bringen die zwei auf diesem zwei Hektar großen Areal in den Boden. Hinzu kommen 2.000 Rotbuchen. Doch diese kleinteilige, mühselige Arbeit ist wichtig – wenn Ulrich Pfaus Enkel Henry wirklich dereinst einen an die veränderten klimatischen Bedingungen angepassten, widerstandsfähigen Zukunftsmischwald vorfinden soll.

Geschützt sollen unter anderem Lärchen den Zukunftswald bilden. Fotos: Schmalenbach

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