Sicherer Verkehr, nachhaltige Verwertung

Sonst sind hier Menschen auf Trekkingrädern, Gravel- oder Montainbikes unterwegs. Einige strampeln einfach aus Spaß in der Freizeit, andere sausen auf dem Asdorftalradweg per E-Bike zur Arbeit oder bringen ihre Kinder mit dem Lastenrad zur Kita. Doch heute ist diese Route, die Kirchen mit Oberasdorf verbindet, im Norden von Niederfischbach gesperrt. Anstelle von Radlern fahren Niklas und Benjamin darauf herum. Der eine Pfau-Mitarbeiter mit einem Mobilbagger, sein Kollege mit einem Rückezug. Sie führen im Auftrag der Gemeinde Verkehrssicherungsmaßnahmen durch – gleichzeitig wird dabei nachhaltig Brennholz und Material für Hackschnitzelheizungen gewonnen. Es sieht zum Teil recht spektakulär aus, wenn zehn, elf Meter lange Stämme durch die Luft zu „schweben“ scheinen: Niklas arbeitet sich mit dem Mobilbagger den Radweg entlang auf Niederfischbach zu. Am Arm der Baumaschine ist ein „Woodcracker“ montiert. Mit diesem greift der Pfau-Mitarbeiter immer wieder Sträucher und Bäume, die an der Böschung neben dem Asdorftalradweg aufragen, hält sie mit der oberen Zange des Anbaugerätes fest und schneidet sie mit einer ebenfalls daran befindlichen, hydraulischen Schere darunter ab. Vielfach schneidet Niklas den Baum zunächst etwa auf halber Höhe ab: Der obere Teil wird gehackt… …der untere, astfreie wird zu Brennholz. Der zuständige Förster hat zuvor jene Bäume markiert, die er als standsicher und somit als den Verkehr auf dem Radweg sowie der benachbarten Straße L 282 nicht gefährdend einstuft. Sie sind mit einem pink Punkt gekennzeichnet, Niklas lässt sie unangetastet. Alle anderen greift er, wenn sie länger sind, zunächst in halber Höhe mit dem „Woodcracker“ und zerteilt sie. „Die oberen Stücke sind als Brennholz oft nicht geeignet, da sie zu dünn sind“, erklärt er, „sie werden später zu Hackschnitzeln gemacht und dementsprechend dennoch sinnvoll genutzt.“ Die dickeren und überwiegend astfreien unteren Teile hingegen könne man zu Brennholz verarbeiten, erläutert der Fachmann. Mit dem „Woodcracker“, der an einem Mobilbagger montiert ist, entnimmt Niklas Stamm für Stamm ganz präzise und kann das Holz direkt so schneiden, dass für Brennholz geeignete Abschnitte vom übrigen Teil der Bäume getrennt werden. Der Förster hat Bäume markiert, die standsicher sind und stehen bleiben können. Fotos: Schmalenbach Auf einen Stapel legt Niklas als Brennholz geeignete Stämme zusammen, auf einem anderen Äste und Sträucher und sortiert das Holz damit gleichzeitig vor. Das sieht zwar alles sehr spielerisch aus, ist mit dem „Volvo“-Mobilbagger, den Niklas einsetzt, aber vermutlich eine viel Konzentration, eine ausgesprochen ruhige Hand und ein sehr scharfes Auge erfordernde Arbeit! Denn der Baggerfahrer bugsiert das Holz zwischen den anderen Stämmen zentimetergenau heraus, legt es parallel neben dem Radweg ab (siehe VIDEO) und achtet bei jedem einzelnen „abgeknipsten“ Baum darauf, dass er ihn erst hoch über die Böschung hebt, ihn neigt und in dieselbe Richtung dreht, in welcher der Radweg verläuft, so dass die Stämme nicht über den Verkehr auf der nebenan verlaufenden Straße gehoben werden.     Dieser wird durch eine notwendige Ampelregelung eingeschränkt, die Landstraße zur Einbahnstraße, solange Niklas, Benjamin und ihre Kollegen fleißig sind: Die näher am Radweg verlaufende Fahrspur ist gesperrt, damit niemand zu Schaden kommt, sollte trotz aller Achtsamkeit doch einmal ein Ast neben den Radweg fallen. Ein Autofahrer, der durch die Ampelstrecke fährt, stoppt: „Sind Sie von der Presse? Schreiben Sie, was das für eine Schande ist!“, ruft er erregt durch das heruntergelassene Seitenfenster seines grauen Kombis. Ein Passant, der den mürrischen Zeitgenossen just gehört hat, entgegnet: „Naja, wenn man nichts macht und einem Radfahrer später ein abgebrochener Ast auf den Kopf fällt, ist der Schaden und die Aufregung hinterher auch wieder groß!“ Eine einspurige Verkehrsführung stellt sicher, dass genug Abstand zum Straßenverkehr vorhanden ist. Um das von Niklas abgeschnittene und zusammengelegte Holz kümmert sich als nächstes sein Kollege Benjamin. Er packt es mit dem Greifer seines Rückezugs, lädt es auf und fährt mit dem „Ponsse Buffalo“ zu einem Lagerplatz am Anfang des Baustellen-Abschnitts im Tal des Bächleins Asdorf. Dort ragen schon zwei große Haufen auf: links dünne Äste und kleinere Gehölze, die sich nicht als Brennholz eignen, wie Niklas just geschildert hatte. Rechts Ahorn-, Birken-, Buchen- und Eichenstämme, die nachfolgend abtransportiert und bei Pfau in Kirburg von Lukas (siehe „Ohne schriftliche Bewerbung zum neuen Job“) zu handlichen Holzscheiten verarbeitet werden. Anschließend erfolgt deren Trocknung auf einen Wert unter 20 Prozent Restfeuchte. Die Bundesimmissionsschutzverordnung schreibt vor, dass als trocken bezeichnetes Brennholz weniger als 20 Prozent Feuchtigkeit enthalten muss, wobei eine Restfeuchte von15 bis 18 Prozent als ideal gilt. So werden alle in Niederfischbach entnommenen Bäume voll verwertet: Sind sie dafür geeignet, wird daraus bei Pfau mittels Spaltautomat hochwertiges Brennholz gemacht. Alles andere Holz wird im neuen Jahr gehackt und geht als umweltfreundlicher Bioenergieträger in Hackschnitzelheizungen oder auch Kraftwerke zur Ökostromerzeugung. So erfährt der gesamte Baum – wenn er denn nach Meinung der zuständigen Stelle aus Verkehrssicherheitsgründen schon weichen muss – eine sinnvolle Nutzung. „Ich mach‘ mit dem Bagger so weit, wie ich von der Reichweite des Armes her komme“, beschreibt Niklas. „Der Rest, oben am Rand der Böschung, wird von meinen Kollegen Adrian und Claudia mit der Motorsäge zugefällt. Die zwei schneiden ohnehin alles nach, damit es hier wirklich sauber aussieht, wenn wir fertig sind.“ Ebenso komme die Motorsäge an jenen Stämmen zum Einsatz, die für die Schere am Bagger zu dick sind. „Der Ahorn ist fast wie Glas“, sagt Niklas auf die Frage, ob sich die verschiedenen Holzarten, die entlang des Asdorftalradwegs wachsen, beim Schneiden mit dem „Woodcracker“ unterschiedlich verhalten. „Manches Mal knipst du die oben ab und ein Splitter fliegt einige Meter weit weg. Da vorne“, deutet Niklas auf einen noch vor ihm liegenden, südlicheren Teil des Radwegs, „da stehen Robinien – die sind extrem zäh. Mitunter musst du das Werkzeug fünf- oder sechsmal auf- und zumachen!“ Neben dem Radweg soll nichts zurückbleiben, alles wird sofort vom Rückezug aufgeladen… …und zum Lagerplatz gebracht. Generell werde für das spätere Brennholz ausschließlich Ahorn, Birke, Buche und Eiche verwendet, betont Niklas, „alles andere wie Erle, Weide oder Pappel wird gehackt.“ Insgesamt sechs Tage lang ist Pfau mit der Verkehrssicherungsmaßnahme im Auftrag der Gemeinde Niederfischbach beschäftigt. Bis zu acht Mitarbeiter gleichzeitig bringen die 1.700 Meter lange Strecke in die gewünschte Form. Dass Benjamin…