Mehr mit dem Kopf arbeiten

Er lebt inzwischen in Treis-Karden an der Mosel. Dass der gebürtige Rheinländer dort heute sein Zuhause hat, hat auch mit einer jähen Zwangsunterbrechung seiner Arbeit im Traumberuf als Lkw-Fahrer zu tun. Allerdings steuert Stephan Reich keine „normalen“ Lastwagen, sondern ist in der Pfau-Logistiksparte mit dem „Tiefbett“ unterwegs. Mit diesem speziellen Auflieger werden häufig Schwertransporte durchgeführt, die vielfach erheblich üppigere Abmessungen aufweisen, als es (ohne besondere Genehmigung) im Güterkraftverkehr sonst zulässig ist (siehe „Mal lang, mal hoch, mal breit“). Größere Fahrzeuge haben Stephan Reich seit Kindertagen fasziniert. Vielleicht lag es daran, dass der Stiefvater Busfahrer bei den Bonner Stadtwerken war? Jedenfalls erzählt der super sympathische Pfau-Mitarbeiter noch immer begeistert von jener Zeit: „Da bin ich halt morgens gleich früh mit aufgestanden, und wenn ich frei hatte, bin ich immer mitgefahren.“ Seinerzeit wohnte der junge Stephan in Hangelar. Die dortige Kiesgrube zog ihn ebenfalls an: „Da habe ich immer zugeguckt, wie die Laster beladen werden.“ Dennoch beginnt er später eine Kochlehre. „Als während jener Phase die erste echte Freundin Schluss machte, habe ich alles hingeschmissen! Danach wollte ich eigentlich schon auf den Lkw, aber meine Eltern meinten, das sei doch kein Beruf“, schildert er. Also startet der Sohn abermals eine handwerkliche Ausbildung, schließt erfolgreich die Lehre zum Elektriker ab. Mit 21 jedoch war es endgültig soweit, nach entsprechender Schulung hatte Stephan Reich den vollwertigen Lkw-Führerschein. Zuvor war er schon kleine Lastwagen gefahren und verteilte mit einem 7,5-Tonner Brot im Kölner Raum. Doch das Unternehmen wollte größere Laster anschaffen, Reich besuchte daraufhin abermals die Fahrschule. „Und der Fahrlehrer kannte den Chef der ersten Firma, bei der ich bald darauf mit dem Schwertransport unterwegs war. So bin ich dorthin gekommen“, sagt er. Als er bei jenem Kölner Unternehmen gefahren ist, hatte er den Lkw-Führerschein noch recht frisch, „aber ich habe da direkt mit dem Schwertransport angefangen“, berichtet der jetzige Pfau-Mitarbeiter. Obschon er für seine Ruhepausen sonst bevorzugt Autohöfe abseits der Autobahnen ansteuert: An diesem frühen Morgen ist Stephan Reich vom Autobahnrastplatz „Soester Börde“ direkt an der A 44 gestartet, wo er auch übernachtet hat. Denn bei diesem Transport gestattete die Genehmigung für die Ausnahmefuhre keinen Abstecher von der Autobahn. Nächtlicher Blick in den rechten Außenspiegel: Der Fahrer muss schon ein sehr gutes Gefühl haben, was hinter seiner Zugmaschine noch alles kommt… Fotos: Schmalenbach Bei seiner nächsten Firma habe er mit „Flügel fahren“ begonnen, also Teile für Windräder transportiert. „Da war ich allerdings nur noch unterwegs, wochenweise! Du stehst mit den Flügeln außerdem immer an ‚toten Parkplätzen‘. Dann haut dein Begleiter ab, du kannst nicht weg und stehst irgendwo in Frankreich alleine im Wald. Da ist nirgendwo eine Toilette und du hängst das ganze Wochenende rum!“ Nach diesen Erfahrungen wollte Stephan Reich darum beim Wechsel zu Pfau eigentlich kein Tiefbett mehr bewegen, da das ja wieder eine Tätigkeit im Schwertransportbereich – und Übernachtungen im Fahrzeug – bedeuten würde. Doch ein „DAF“-Lkw, mit dem Reich daraufhin zunächst beim Westerwälder Unternehmen regional startete, ging kaputt. „Wegen des Motorschadens bin ich auf dieses Auto gegangen“, so Reich, während er mit seinem „Volvo 540“ einen überlangen Auflieger zieht, „und jetzt möchte ich nichts anderes mehr machen. Aber die holen mich auch immer nach Hause!“, hebt er hervor und meint damit, dass er wie andere Arbeitnehmer auch am Freitagmittag ins Wochenende geht. Denn am Wochenende „draußen sein“, so wie früher einmal, das wolle er nicht mehr: „Ich möchte freitags nach Hause – damit ich noch etwas einkaufen gehen kann, die Wäsche der Woche in die Maschine schmeißen kann. Sonst drängt sich alles am Samstag. Und sonntags musst du schon wieder packen für die neue Woche.“ Inzwischen ist der gebürtige Bonner das fünfte Jahr bei Pfau. „Immer gepflegte Autos, die beiden Chefs immer super nett“, urteilt er über seinen Arbeitgeber. Und gerade seinen „Volvo 540“ mag er sehr, wie er betont: „Mega Auto“, unterstreicht Reich. „Der hat zwei angetriebene Achsen, ich kann sie einzeln belasten. Das ist im Wald wichtig.“ 540 PS leistet das Fahrzeug serienmäßig, doch Reich fährt ein optimiertes Zugfahrzeug mit deutlich mehr Leistung und vor allem einem erheblich vergrößerten Drehmoment. Beides mache das Handling beim Schwertransport wesentlich angenehmer. Die Bordelektronik zeigt dem Fahrer minutengenau die gemäß der gesetzlichen Vorgaben verbleibende Tageslenkzeit an. Ebenso werden jene Tage aufgeführt, an denen er in der aktuellen Woche zehn Stunden insgesamt unterwegs war. Das ist nur zweimal wöchentlich zulässig, „die restlichen Tage dürfen nur maximal neun Stunden lang sein“, erklärt der Fachmann. Gleichermaßen gibt die Technik Auskunft über das Gesamtgewicht des Fahrzeugs, erlaubt per Kameras den Blick nach hinten oder an die Seite. „Das finde ich gut. Die Kamera geht auch an, wenn ich den Blinker setze – ich sehe noch besser, wenn jemand neben mir ist. Ein Fahrrad zum Beispiel. Es ist ebenso praktisch, wenn man im Wald unterwegs ist und Wurzeln leichter erkennt.“ Und nicht nur die technische Ausstattung seines Arbeitsgeräts findet Stephan Reich toll, wie er herausstellt: Da er die Woche über „draußen“ ist, also unterwegs und in seinem Lkw auch übernachtet, steuert er normalerweise abseitige Autohöfe anstelle von Rastplätzen direkt an den Autobahnen an. „Da ist es sauberer. Und da sind auch Parkplatzwächter, die Fahrzeuge sind in der Nacht bewacht. Solche Plätze für die Nacht kosten zwar Geld, aber das bezahlt Pfau“, lobt der Fahrer. Das gebe es bei vielen Fahrerkollegen in anderen Unternehmen, zumal aus Osteuropa, keineswegs. Nach Feierabend geht Stephan Reich duschen, macht sich sein Essen in der Fahrerkabine, guckt etwas Fernsehen (selbstverständlich hat sein „Volvo“ einen Flachbildfernseher eingebaut), telefoniert noch mit Freundin Cindy, die in Stuttgart lebt und arbeitet. „Eine Nacht ohne Duschen geht, wenn man zum Beispiel mal eine Nacht im Wald übernachtet oder ich Holz fahre“, schmunzelt der 57-Jährige. Aber 15 Liter eigenen Wasservorrat habe er ohnehin dabei. „Wenn ich duschen war, bin ich ein neuer Mensch.“ Es gehe nicht allein um Hygiene, sondern auch um mentale Erfrischung. „Und ich muss mich jeden Tag rasieren, die Haare müssen vernünftig sein, die Klamotten müssen vernünftig sein. Du kommst hier auf viereinhalb Quadratmetern klar. Kommst du nach Hause, weißt du erst einmal, wie gut…

Mal lang, mal hoch, mal breit

Bis heute hat die Firma Kleusberg ihren Hauptsitz in Wissen. Durch die 8.700-Einwohner-Stadt im nördlichen Westerwald fließt die Sieg in Richtung ihrer Mündung in den Rhein. Folgt man dem über 150 Kilometer langen Fluss von Wissen gen Westen, kommt man irgendwann auch nach Eitorf. Dorthin ist Stephan Reich gerade unterwegs, allerdings flussaufwärts und auf der Landesstraße 333. Die windet sich in dem Abschnitt, den Reich just befährt, durch zum Teil enge Kurven zwischen Siegauen auf der linken und den felsigen Siegtalhängen auf der rechten Seite hindurch. Ein Schild warnt vor dem verschlungenen Straßenverlauf. Kommen andere Fahrzeuge entgegen, wird es mitunter knifflig: Denn Stephan Reich ist „zu lang, zu hoch, zu breit“, lacht er – wie meist, wenn er im pfauroten „Volvo“ seiner Arbeit nachgeht, den er hinsichtlich der Ausdehnungen meint – und nicht etwa sich selbst. Drei Stunden früher: Stephan Reich hat sein Tagwerk mitten in der Nacht um drei Uhr auf dem Rastplatz „Soester Börde Nord“ begonnen. Dort, neben der A 44, hat er elf Stunden Pause gemacht, ist gut eine Stunde vor dem Start in den Arbeitstag aufgestanden, hat sich die Zähne geputzt, rasiert, Kaffee gekocht – ganz wie zu Hause. Nur halt in der Fahrerkabine seines „Volvo 540“. Der Begleiter fährt vor dem Schwertransport. An dem hängt ein Tiefbett-Sattelauflieger des Fahrzeugbauers Doll. Denn Pfau bietet in seiner Logistiksparte auch den Transport von Dingen an, die auf keinen „normalen“ Lkw passen. Reich hat schon Linienbusse, Kranteile für den Bau von Windrädern, eine mobile Brecheranlage, Stahlkonstruktionen, Agrargeräte, elektrische Betonmischer oder gebrauchte Kehrmaschinen damit durchs Land gefahren. Auch mit Forstmaschinen wie „Harvestern“ ist er oft unterwegs, die Pfau beispielsweise vom Verkäufer oder Vermieter zum Kunden schafft oder zwischen verschiedenen Standorten des deutschen Generalimporteurs der anerkannten „PONSSE“-Forst- maschinen aus Finnland fährt. Die transportiere er besonders gerne, schmunzelt Stephan Reich: „Ich darf die selbst auf den Auflieger fahren – das ist halt Männerspielzeug!“ Gleichwohl sei es eine echte Herausforderung, wenn er beispielsweise Harvester direkt aus dem Wald hole.         Der besondere Auflieger dazu sei „teleskopierbar“, erläutert der Fachmann. Was es damit auf sich hat, wird noch deutlich werden, wenn der Pfau-Mitarbeiter seine aktuelle Fracht gut sechs Stunden später abgeladen haben wird.Diese Fracht hat wiederum mit Kleusberg aus Wissen zu tun. Die Westerwälder Firma hat sich nach eigener Darstellung auf die Planung, Fertigung und Montage von Modulbauten sowie die Vermietung und den Verkauf von Containersystemen und Halleneinbauten spezialisiert. Und so ein von Kleusberg hergestelltes Raummodul, es ist für die Errichtung einer neuen Kindertagesstätte vorgesehen, hat Stephan Reich an diesem Morgen fest verschraubt im Tiefbett stehen und tags zuvor – vor seiner nächtlichen Pause bei Soest – im Saalekreis bei Halle abgeholt. Inzwischen hat er die etwa 170 Kilometer aus der Soester Börde bis nach Eitorf geschafft. Es lief super heute, keine Unterbrechungen, kein Stau, freie Autobahnen. Reich musste vor sechs Uhr, ehe die verkehrsreichere Tageszeit und der Berufsverkehr anbrechen, auf einem Parkplatz unweit des Ortseingangs von Eitorf sein, so stand es in der Genehmigung für diesen erlaubnispflichtigen Schwertransport. Dort soll er auf dem eigens für nächtliche Schwertransporte abgesperrten Gelände – drei Kollegen mit ihren Lkw sind bereits vor Ort und haben die Nacht in ihren Fahrerkabinen verbracht – warten, bis ein „Begleiter“ ihn abholt. So ein Begleitfahrzeug sehen die Straßenverkehrsbehörden immer dann vor, wenn ein Schwer- oder Großraumtransport die zulässigen Maße oder Gewichte überschreitet.„Wir haben drei Meter Breite, wir haben 24 Meter Gesamtlänge, das Modul selbst ist 11,59 Meter lang, die Höhe habe ich jetzt auf 4,12 Meter“, erklärt der Fahrer. Also in allen drei Richtungen größere Ausdehnungen, als ein Lkw ohne Ausnahmegenehmigung aufweisen darf. Warntafeln am Heck des Tiefbettaufliegers markieren das Ende des Moduls, „und dann kommen halt noch 2,80 Meter, das Fahrwerk“, ergänzt der Pfau-Mitarbeiter. Bauleiterin Lara Neumeister und ihr Kollege Timo Stock haben den Pfau-Schwertransport schon erwartet. Fotos (13): Schmalenbach Kurz vor dem Ziel wird es noch einmal eng. Fast drei Stunden Geduld muss er haben, bis er auf der Eitorfer Baustelle an der Reihe ist und Ralf Beil mit seinem rot-weißen Begleitfahrzeug zum Parkplatz kommt. Die beiden besprechen sich kurz. Reich fragt, welchen Kanal für den Funk Beil nutzen werde. Es sei 5 FM, antwortet der aus Großlohra stammende Fahrer des „Begleiters“.Per Funk halten die zwei Kontakt auf dem letzten Streckenabschnitt bis auf die Kleusberg-Baustelle. Der vorausfahrende Ralf Beil gibt Stephan Reich auf diese Weise Informationen zum Streckenverlauf oder wenn er vorzieht, um im Kreuzungsbereich den Gegenverkehr anzuhalten, damit Reich sein großes Gefährt gut „um die Ecken bringen“ kann. Auf den letzten paar hundert Metern seiner Strecke wird es noch einmal deutlich enger, es geht durch ein Wohngebiet, an welches angrenzend die in der kommunalen Planung „West III“ genannte Kita gebaut wird. Überall sind Halteverbotsschilder aufgestellt worden: Würde hier jetzt noch ein Pkw geparkt, gäbe es kein Durchkommen mit dem Modul auf dem Pfau-Tiefbett. Ralf Beil lenkt die beiden Hinterachsen, während Stephan Reich rückwärts auf die Baustelle fährt. Das jedoch ist wichtig: Auf der Baustelle wartet unter anderem schon Kleusberg-Bauleiterin Lara Neumeister auf den Schwertransport. Acht Module, wie der Pfau-Schwertransport gerade eines heranschafft, könnten pro Tag maximal „gestellt“ werden, schildert sie. 32 davon seien insgesamt nötig für den Neubau des Kindergartens, der in Eitorf entsteht. Die Bauleiterin sagt, dass so ein Projekt eine enorme Teamleistung sei: „Jeder Handwerker ist wichtig, jeder einzelne.“ Und sie sagt auch, dass die Module, wie Stephan Reich gerade eines abliefert, in der vorgesehenen Reihenfolge und im richtigen zeitlichen Ablauf kommen müssen: „Wir können nicht einfach eines auf die Wiese stellen, wenn eines, das zuvor eingebaut werden muss, nicht da ist!“, betont Neumeister. Das sei im ersten Obergeschoss, für das das von Pfau gefahrene Modul benötigt wird, schon aufgrund statischer Erwägungen unmöglich, da die Module stets auf Trägern des darunter befindlichen positioniert werden müssten. Ein perfektes Timing ist für den Baufortschritt essentiell. Auch mächtige Forstmaschinen wie diesen „PONSSE Scorpion Giant“ transportiert Pfau mit dem Tiefbett. Der PONSSE-Generalimporteur Wahlers Forsttechnik lobt in einem Social-Media-Post zu diesem Panorama in der Obersteiermark: „Ein großes Dankeschön an die Pfau GmbH für den reibungslosen und professionellen…